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Forstfrauen in Bewegung

Zusammenschau der Aktivitäten

Inge Kehr; Göttingen

Rückblickend begann das neue Jahrtausend für die Forstfrauen in Niedersachsen sehr bewegt: Sie veranstalteten gleich drei Veranstaltungen für den Verein "Frauen im Forstbereich e.V.".

Niedersächsisches Forstfrauentreffen

Am 6. Mai 2000 fand das 13.-te niedersächsische Forstfrauentreffen mit insgesamt 15 Teilnehmerinnen in Göttingen statt. Diese jährlich stattfindenden Treffen bieten die Gelegenheit, sich nur unter Forstfrauen zu frauenbewegten und forstlichen Themen auszutauschen und zu diskutieren.

Nach einem Vortrag zum Umbau von Kiefern-Reinbeständen in der Lüneburger Heide ging es in den Göttinger Wald. Dort wurden teilweise vergrabene vegetationskundliche Kenntnisse von Prof. Gisela Jahn aufgefrischt. Mit Begeisterung "botanisierten" die Teilnehmerinnen und stellten fest: "Solche vegetationskundlichen Exkursionen müssten wir viel öfter machen"! Vor allem unter so fröhlich-erfrischender Führung!

Internationales Forstfrauentreffen

Gleich zwei Wochen später nahmen vom 22. bis 29. Mai 2000 insgesamt 31 Försterinnen in Bad Bevensen/Niedersachsen an einem Internationalen Forstfrauentreffen teil. Dank finanzieller Unterstützung durch BRAIN war es auch zahlreichen Frauen außerhalb der Verwaltung möglich, an der Tagung teilzunehmen. Außer deutschen Forstfrauen waren Teilnehmerinnen aus Lettland, Litauen, Norwegen, Polen, Slowakei und Schweden dabei. Ukrainische Kolleginnen konnten leider nicht teilnehmen, da sie kein Einreisevisum erhielten.

Diesem Treffen gingen drei internationale Fachexkursionen vom "Verein Frauen im Forstbereich e.V." in die östlich gelegenen Nachbarländer Ukraine, Slowakei und Rumänien voraus.

Teilehmerinnen des Internationalen Forstfrauentreffen

Gute Laune trotz Regenwetter: Die Försterinnen beim Internationalen Forstfrauentreffen im Nationalpark Harz

Die Internationalen Treffen sind wichtige Etappen beim Aufbau eines Netzwerkes der Forstfrauen, die sich innerhalb ihrer Berufswelt engagiert für weitere Veränderungen in Richtung auf eine gleichberechtigtere Gesellschaft einsetzen. Grundsätzlich dienen sie auch einem forstfachlichen und kulturellen Austausch.

Breites Themenspektrum

Auf dem Programm des Internationalen Forstfrauentreffens standen die Themen Saatgutgewinnung und Pflanzenanzucht der Saatgutberatungsstelle Oerrel, Baumschulbetrieb Lüdemann, Naturgemäße Waldwirtschaft in der Graf Bernstorff'schen Privatforstverwaltung, Bedeutung der "Wende" für die Forstwirtschaft am Beispiel des Niedersächsischen Forstamtes Carrenzien, Wald im großstädtischen Ballungsraum am Beispiel des Stadtwaldes Hamburg - natürlich mit Hafenrundfahrt und Stadtbummel, das Niedersächsische Forstamt Braunlage und der Nationalpark Harz sowie das Stadtforstamt und die Waldmärkerschaft Uelzen. Am letzten Tag wurde das EXPO-Projekt der Niedersächsischen Landesforstverwaltung vorgestellt.

Baumsteiger in der FSB Oerrel

Baumsteiger im Einsatz - die Klettervorführung der FSB Oerrel

Skandinavierinnen erfahren niedersächsische Forstwirtschaft

Bei den Exkursionen waren besonders die Schwedinnen und Norwegerinnen begeistert von der Baumartenvielfalt in Deutschland. Dies verwundert nicht, denn die natürliche Artenvielfalt in deren Herkunftsländern ist bekannterweise stärker eingeschränkt.

Diskussionen über Buchen-Voranbauten unter Fichte, wie sie im Harz vorgestellt wurden, erschienen vor diesem Hintergrund vielen Teilnehmerinnen als waldbaulicher Luxus. Auch der Abkehr vom Kahlschlag stand eine schwedische Waldbesitzerin skeptisch gegenüber. Sie meinte ganz pragmatisch: "Ich wäre froh, wenn ich überhaupt so starke Fichten in meinem Wald hätte, ich würde mich hüten, sie einem erhöhten Windwurfrisiko auszusetzen!"

Insbesondere bei den waldbaulichen Diskussionen wurde deutlich, wie unterschiedlich die forstlichen Zielsetzungen in den einzelnen Ländern sind. Daraus ergaben sich angeregte Diskussionen, bei denen auch die deutschen Forstfrauen viel über die Forstwirtschaft und Kultur der anderen Länder erfuhren.

Insgesamt klappte die Verständigung trotz der vielen Sprachen erstaunlich gut. Es wurde im Wesentlichen Englisch gesprochen, dennoch musste stets parallel ins slowakische und polnische übersetzt werden, so dass etliche Diskussionen bei den Busfahrten fortgesetzt wurden.

Frauenprobleme im Forstalltag

Besonders interessant und mit Spannung erwartet wurde der Erfahrungsaustausch über die Situation und den Anteil der Forstfrauen in den jeweiligen Ländern: In allen auf dem Treffen vertretenen Ländern sind die Frauen im Forstbereich in der Minderheit und haben deswegen mit ähnlichen Problemen zu kämpfen.

Die Auflistung der auftretenden Schwierigkeiten war lang und reichte von geringeren Aufstiegschancen, über Karriereknick bei familienbedingter Arbeitspause, fehlender Akzeptanz bei männlichen Arbeitskollegen, grundsätzlich mangelnder Möglichkeit der Teilzeitarbeit bzw. bei bestimmten Arbeitsplätzen bis hin zu sexueller Belästigung.

Die Erkenntnis, dass alle Forstfrauen mehr oder weniger in einem Boot sitzen war tröstlich, erweckte aber zugleich Energien, die Probleme mit vereinten Kräften offensiver anzugehen. Die Internationalen Treffen sollen künftig jährlich fortgeführt werden.

Lettland und Litauen internationale Spitze beim Frauenanteil

Überrascht und erstaunt wurde die Information der lettischen und litauischen Kolleginnen aufgenommen, dass der Anteil der Forstfrauen in deren Forstverwaltungen erheblich höher ist als in den übrigen: So beträgt der Anteil der direkt im Forstbereich arbeitenden Frauen in der lettischen Landesforstverwaltung 20 %. Hier sind nur forstlich ausgebildete Frauen eingeschlossen. Den relativ hohen Anteil an Frauen erklärten die Kolleginnen mit dem früheren sowjetischen Einfluss, bei dem Frauen in allen Berufen und auch höheren Positionen vertreten waren.

In der lettischen forstlichen Forschungsanstalt "Silava" haben die forstlich ausgebildeten Frauen sogar einen Rekordanteil von 43 %! Dieser hohe Frauenanteil wird auf das geringe Gehaltsniveau in der Wissenschaft zurückgeführt. Derzeit stehen in Lettland Reformbestrebungen in der Forstverwaltung an. Es wird befürchtet, dass hier zuerst die Arbeitsplätze der Forstfrauen wegfallen werden.

In Niedersachsen unter 5 Prozent Försterinnen

Im Vergleich zu Lettland ist der Frauenanteil in der niedersächsischen Landesforstverwaltung sehr bescheiden: Im höheren Forstdienst sind es 5 % und im gehobenen Dienst 3 %!

Dies referierte FD Hans-Helmut Mehls vom ML. Verwundert und teilweise belustigt wurde die Antwort auf die Frage einer schwedischen Forstjournalistin aufgenommen, was Niedersachsen zu tun gedenkt, um den Anteil der Forstfrauen anzuheben: nämlich nichts. So werden auch in unserem Lande die Forstfrauen noch sehr lange in der Minderheit bleiben und es wird sich nur sehr langsam etwas an ihrer heutigen Situation ändern!

Die anschließende Diskussion ergab, dass in Schweden ebenfalls keine speziellen Förderprogramme für Frauen bestehen, es jedoch ein Gleichstellungsgesetz existiert. Bei einigen Privatwaldfirmen ist man dort auf Grund guter Erfahrungen dazu übergegangen, zum Vorstellungsgespräch grundsätzlich alle Bewerberinnen unabhängig von ihrer Note einzuladen.

Die Norwegerinnen berichteten, dass bei ihnen bei gleicher Qualifikation die Frauen tatsächlich bevorzugt werden, und zwar nicht nur auf dem Papier. Immerhin, kleine Schritte in die richtige Richtung!

Zusammenschlüsse von Forstfrauen

Erfreulich dagegen war zu hören, dass es auch in den meisten anderen Ländern Zusammenschlüsse von Forstfrauen gibt, die so ihre Interessen besser vertreten können. Besonders gut organisiert sind die schwedischen Forstfrauen. Allein 5 Forstfrauen- Zusammenschlüsse wurden ad hoc aufgezählt, darunter Zusammenschlüsse ausgebildeter Forstfrauen bis hin zu Waldbesitzerinnen-Verbänden. Und dies sind noch nicht alle! Die Verbände werden in Schweden teilweise finanziell gefördert, was ihre Arbeit erheblich erleichtert.

In der Slowakei hat sich hingegen erst kürzlich ein Zusammenschluss der Forstbeamtinnen und ein zweiter der nicht im staatlichen Forstdienst beschäftigten Forstfrauen gebildet.

Bundestreffen der Forstfrauen - volles Programm

Als drittes Highlight im Jahr 2000 organisierte der "Verein Frauen im Forstbereich e.V." das 14.-te Bundestreffen der Forstfrauen vom 20. bis 23. Oktober in Niedersachsen. 21 Forstfrauen, die zum Teil mit Kind und Kegel aus dem ganzen Bundesgebiet angereist waren, trafen sich im Jugendwaldheim Ehrhorn.

Mit Kind und Kegel

Sprichwörtlich mit Kind und Kegel angereist waren einige Teilnehmerinnen.

Das dichte Programm beinhaltete die Grundrisse der Zertifizierung nach FSC und PEFC, Erfahrungsbericht über den Beruf einer Zertifiziererin, Vortrag über die PR-Kampagne "Typisch Förster" vom Deutschen Forstverein e.V. und dem Arbeitskreis Forstliches Berufsfeld e.V., Ideenbörse zur forstlichen Öffentlichkeit und eine Exkursion zum Walderlebniszentrum Ehrhorn N°1.

Die Treffen in 2001

In 2001 findet das bundesweite Forstfrauentreffen vom 12. bis 14. Oktober in Lohr a.M. in Bayern statt. Geplant sind beispielsweise Vorträge zu den Themen Gleichstellungsgesetze und -konzepte der einzelnen Forstverwaltungen, sexuelle Belästigung und Mobbing am Arbeitsplatz. Zusätzlich steht eine Drückjagd und eine forstfachliche Exkursion in den Spessart auf dem Programm.

Zum "Internationalen Forstfrauentreffen" luden dieses Jahr die polnischen Kolleginnen alle interessierten Forstfrauen vom 20. bis 27. Mai 2001 zu dem Thema: "Regional Management of State Owned Forests" nach Krakow in Polen ein.

Die niedersächsischen Forstfrauen traffen sich am 5. Mai 2001 in Hann. Münden, um vormittags die PEFC- und FSC-Zertifizierungsthematik in Theorie und Praxis weiter zu vertiefen. Nachmittags führte eine forstfachliche Exkursion in den Stadtwald von Hann. Münden unter Leitung von Susanne Hoffmann, der zuständigen Revierleiterin der Försterei Hedemünden.

Inge Kehr ist Assessorin des Forstdienstes und in einer Consulting - Firma tätig. Damals war sie im Mutterschutz.