Frauen im Forstbereich e.V. | ||||||||||||||||
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International |
Internationales Forstfrauentreffen 2003 in TschechienIm Lauf des Sonntags, dem 8. Juni trafen die Frauen aus den verschiednen europäischen Ländern (Tschechien 5, Deutschland 2, Norwegen 3, Schweden 2, Polen 2, Rumänien 6, Slowakei 2) sowie eine Dame aus Ghana in Prag ein. Das Treffen begann mit einer Stadtrundfahrt durch Prag, dem noch an vielen Stellen die Schäden des Hochwassers aus dem Jahr 2002 anzusehen war und der Besichtigung der Prager Burg. Am Abend verteilten wir uns über die Altstadt von Prag und standen im Regen auf der berühmten Karlsbrücke. 9. Juni: Die offizielle Begrüßung nahm der Vize-Forstminister, Jaromir Vasicek verbunden mit allgemeinen Informationen über die tschechische Forstwirtschaft vor. Im Ministerium wurden auch die wunderbaren Gruppenbilder aufgenommen.
Mittags fuhren wir Richtung Südwesten zur Frauenunion von Harlickuv Brod und diskutierten Frauenthemen in der Kommunalpolitik. Nachmittags gab es den ersten Waldspaziergang mit einem Privatwaldbesitzer, Dr. Radoslav Kinsky in Zd`ar nad Sazavou. Die Familie Kinsky war nach dem 2. Weltkrieg als Großgrundbesitzer enteignet worden und nach Frankreich ausgewandert. Durch ein Gesetz von 1991 erlangte sie ihren Besitz zurück und seit 1993 bewirtschaftet Dr. Radoslav Kinsky, der privat durch seine Pension abgesichert ist, wieder den Grundbesitz von Schloss Zd`ar nad Sazavou, 2 Gutsbetrieben, mehreren Forst- und Wildhüter-Gehöften, 180 ha landwirtschaftlicher Fläche, 480 ha Fischteichen und 5700 ha Wald. Die Bewirtschaftung erfolgt sehr naturnah und was die Wildbewirtschaftung angeht, waldfreundlich. Dr. Radoslav Kinsky möchte seinen Wald so natürlich wie möglich bewirtschaften, weil er dadurch den größten Ertrag ohne Risiken erwirtschaften kann. Über 500 ha seines Waldbesitzes sind aus der regulären Bewirtschaftung genommen, und werden als Urwald oder als Versuchsbestände behandelt. 10. Juni: Vormittags besuchten wir den Wildpark Zleby mit einer Greifvogelflugschau. Als Besonderheit gibt es in diesem Wildpark weißes Rotwild. Nachmittags besichtigten wir eine große Forstbaumschule in Recany nad Labam. Der Betrieb kultiviert Pflanzen aus allen Forstlichen Wuchsbezirken Tschechiens wurzelnackt und als Containerpflanzen sowohl in Gewächshäusern als auch im Freien. Als Abschluss des Tages besuchten wir das Nationalgestüt Kladruby nad Labem, das sich der Lipizzanerzucht, Ausbildung und Kutschpferdeschulung widmet. 11. Juni: Wir Waren nun östlich von Prag, in der Nähe der polnischen Grenze angelangt. Morgens Exkursion in den Stadtwald von Hradec Kralove. Der Stadtwald wird in naturnaher Waldwirtschaft bewirtschaftet. Da hier sehr arme Sandböden vorherrschen, wird mit Bodenbearbeitung, Laubholzbeimischung und wenigen alten Kiefern als Samenbäumen gearbeitet. Der gesamte Stadtwald ist Erholungswald, der die Wirtschaft bestimmt. In Hradec Kralove bekamen wir einen Vortrag über die Bewirtschaftung der Tschechischen Wälder im Staatsbetrieb von Generaldirektor Jiri Oliva. 12. Juni: Vormittags Besuch des Forstamtes Rychnov nad Kneznou, Staatsbetrieb, Erläuterung der Aufgaben des Amtes. Anschließend eine Exkursion in das Adlergebirge mit Diskussion der dort vorherrschenden Probleme: Gleichaltrige, geschälte, rotfaule, sehr labile Fichtenbestände auf ehemals landwirtschaftlichem Boden und Rekultivierungsversuche in Waldschadensgebieten. Als kulturelles Highlight besichtigten wir die Kirche von Neratov am Fuß des Adlergebirges an der Grenze zu Polen. Die historisch interessante Kirche (ehemals Bärwald in Ost-Böhmen) war im 2.Weltkrieg zerstört worden, es stehen nur noch die Mauern. Eine Gemeinschaft von behinderten Jugendlichen unter Leitung des örtlichen Pfarrers sind dabei, die Kirche mit Spendengeldern und eigener therapeutischer Arbeit wieder aufzubauen. Die Waldinventur in Tschechien wurde praktisch nach derselben Methode durchgeführt, wie die Bundeswaldinventur in Deutschland, nur mit modernster technischer Ausstattung (GPS und mobile Computerausstattung). 13. Juni: Am Morgen ging die Fahrt ins Riesengebirge. Auch hier am Oberlauf der Elbe waren die Schäden des Hochwassers aus dem Jahr 2002 noch deutlich zu sehen, viele Straßenabschnitte waren gerade erst fertiggestellt, Stützmauern zum Teil noch im Bau. Am Nachmittag fuhren wir weiter in ein nördlich von Prag gelegenes, ehemalig von den Russen genutztes Militärgelände. Die Bewirtschaftung obliegt dem Staatsbetrieb Militärwälder und Güter, der vor allem Tierproduktion betreibt und die Jagd vermarktet. Die seit 10 Jahren nicht mehr militärisch genutzte Landschaft beeindruckte durch reiche Strauchvegetation, viele Dorngebüsche wie Weißdorn und Rosen, sowie Obstbäume, aber durchaus Offenheit und Weite, ideal für Neuntöter & Co. Eine ähnliche Landschaft sah ich auf den sich selbst überlassenen ehemaligen Schlachtfeldern des 1.Weltkrieges bei Verdun. Auf einem Jagdhaus fand eine Abschlussparty mit Wildessen statt. 14. Juni: Früh morgens Rückfahrt nach Prag und Heimfahrt. Fazit: Natürlich waren die Unterkünfte gut und die Bewirtung überwältigend, wer nicht zugenommen hat, war selber schuld. Die tschechischen Kolleginnen hatten die einzelnen Punkte hervorragend organisiert und wenn möglich Kolleginnen gefunden, die uns führten. Von Tschechien haben wir den mittleren, nördlichen Teil gesehen, weitere drei Viertel des Landes warten noch darauf, entdeckt zu werden! Birgit Homann | |||||||||||||||