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2005 Litauen

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Bericht über die Tagung "Women in forestry"
in Litauen 23.-28.Mai 2005

Wir hatten eine sehr schöne Exkursion, die von Dr. Diana Mizaraite von der Litauischen Forstlichen Versuchsanstalt gut organisiert worden war und ein Superwetter (es regnete nur, wenn wir im Bus saßen).

Die erste Überraschung ereilte mich schon mit der Teilnehmerliste: es waren offensichtlich Männernamen dabei und eine Gruppe aus Belgien, auch überwiegend Männer.

Die 10-köpfige belgische Gruppe ließ sich leider nicht einzeln führen (von höherer Stelle beschlossen) und die beiden anderen Männer waren fachlich interessierte Teilnehmer einer Konferenz, die allen offensteht, sie haben auch fachliche Beiträge vorgetragen (s. unten) und waren nicht dominant.

Die Stimmung innerhalb der Gruppe war daher ganz anders als sonst . . .

Weitere Teilnehmerinnen kamen aus Serbien, Wales, Estland, Schweden, Norwegen, Russland, Italien (FAO), Deutschland und Australien! In Gesprächen konnten wir viel über diese Länder erfahren.

Allgemein in Litauen ist mir aufgefallen, dass die Menschen sehr optimistisch eingestellt sind. Es ist eine große Tatkraft zu spüren, insbesondere die jungen Menschen möchten ihre Ideen umsetzen und sich eine Existenz aufbauen, sie sind weltoffen und sehr modern. Von ehemaligen Sowjetzeiten ist nichts mehr zu spüren, diese hat das stolze Volk der Litauer mit eigener Sprache und langer Geschichte vollkommen abgeschüttelt.

Montag, 23.MaiStaatsforstbetrieb Vilnius, Überblick über die Geschäftsfelder der Staatsfortsbetriebe.

Hier in Stadtnähe sind Naturschutz, Erholungswald und Kunst im Wald wichtige Aufgaben.

Der Betrieb ist FSC-Zertifiziert. Hauptbaumart ist die Kiefer, es gibt viel Altholz. In der hügeligen Möränenlandschaft mit Seen und Tümpeln ist die Kiefer prägend, in feuchten Niederungen Erlen. Der Zuwachs liegt bei ca. 12 fm/ha/a, die Nutzung bei 5 fm/ha/a.

Der Forstbetrieb hat kein Budget, die Finanzierung muß aus dem Betrieb (auch Jagdbetrieb) kommen, es ist die normale Unternehmersteuer fällig. Die Arbeiten werden von Unternehmern durchgeführt unter Anleitung von Förstern.

Eichen-Reservat aus alten, autochtonen Stieleichen mit Birke, Aspe, Traubenkirsche (heimische) Wildbirne, Ulme und anderen Mischbaumarten und einigen Fichten. Gut touristisch erschlossen mit Holzstegen und angereichert mit Kunstwerken aus Holz.

Besuch bei einem der größten Privatwald- und Sägewerksbesitzer (ca. 660 ha Wald in mehreren Teilen). Hier kann laut Plan 35 ha Wald innerhalb von 20 Jahren genutzt werden, maximal 10 ha auf einmal in Tranchen von höchstens 100 m Breite oder 3 ha am Stück. Es wird im Kahlschlag gewirtschaftet und Fichte gepflanzt (2000-3000 Stck/ha). Die Mischbaumarten Birke, Eiche, Kiefer, Weide, Eberesche kommen von selbst. Einzelstammnutzung funktioniert nicht, da die freigestellten Stämme anschließend vom Sturm umgeweht werden(Aussage Waldbesitzer). Jüngerer Wald wird durchforstet.

Ein fm Kiefernholz kostet in Litauen ca. 200 Lita, Durchschnittslohn beträgt ca. 1500 Lita im Monat.

Abends konnten wir uns im Hotel in einer Sauna entspannen und im See baden an dem gegenüber die berühmte Burg Trakai zu sehen war.

Dienstag, 24.MaiBesichtigung der "StoraEnso Packinging" in Kaunas, Überblick über die weltweiten Holzhandelswege von großen Holzverarbeitenden Firmen.

Forstliche Forschungsanstalten in Girionys. Schwerpunkte in der Arbeit sind u.a. die Änderung der Vegetation durch den Stickstoffeintrag, Blattschäden durch Ozon, molekulargenetische und biotechnologische Forschung u.a. mit Samenplantagen. Wir sahen eine Birken- Samenplantage in Gewächshäusern, um den überall vorhandenen Pollenflug auszuschalten.

Besichtigung eines Sägewerkes des Waldbesitzers von gestern. Auffällig war die ausgeprägte Handarbeit an den gebraucht aus Schweden gekauften Maschinen (letztes Jahr haben wir in Schweden die moderne, fast vollautomatisierte Fertigung bewundert). Aussage des Sägewerksbesitzers: Wenn ich genug Geld verdient habe, kaufe ich neue, bessere Maschinen und verkaufe diese weiter nach Weißrußland.

Besichtigung des "Hill of Crosses" bei Siauliai.

Mittwoch, 25.MaiWaldexkursion mit einer Privatwald-Besitzer-Kooperative. Die Kooperative organisiert alle Arbeiten mit eigenen Waldarbeitern und Rückern bis zum Verkauf des Holzes für die Mitglieder, ist also eine Service-Gesellschaft.

Der Waldbesitzer bekommt am Ende der Maßnahme seinen Erlös überwiesen. Vor allem Frauen managen dieses Unternehmen und vor allem Waldbesitzerinnen schätzen die einfühlsame Beratung und den Rundum-Service.

Die Eigentümer wollen keinen Kahlschlag, es bleiben einige alte Bäume stehen, auch Jungwuchs z.B. Fichte. Es soll nit Naturverjüngung weitergearbeitet werden. Erster Exkursionspunkt ein alter, fauler Eichen-Stockausschlagbestand aus Eichen und Grauerlen, 40% Brennholz. Gewinnaus dem Schlag (4,3 ha): 2000 Euro. Für unsere Verhältnisse gibt es hier irre lange Rückewege durch sumpfiges Gelände, Gräben wurden händisch geöffnet, trotzdem Gewinn! Zweiter Exkursionspunkt 120-jährige Eiche mit Hainbuchen-Unterstand, einige Eschen und Fichten. Es soll auf Eiche verjüngt werden. Es wurden die geringwertigen Bäume entfernt, auch der Unterstand. Wenn die Naturverjüngung (Eiche, Esche, Ahorn, Hainbuche, Linde) aufgelaufen ist, soll in 6 Jahren die nächste Maßnahme folgen. Aus dem Schlag kamen 200 m3 Holz, davon 25 m3 Stammholz. Gewinn 3000 Euro! Lohnkosten sind extrem niedrig und schlagen kaum zu Buche.

Zur Geschichte: in sowjetischer Zeit wurde nur "Spargel gestochen" es gab keine Waldpflege und keine Pflege der Grabensysteme, daher der schlechte Zustand der meisten Wälder.

Besichtigung des Nationalparks Kurische Nehrung an der Ostsee, dessen westliche Fortsetzung im ehemaligen Ostpreußen liegt. Große Sanddünen, Entstehungsgeschichte, Befestigung durch Waldbäume, Bedeutung der Nehrung für den Vogelzug.

Donnerstag, 26.MaiFahrt durch den Kur- und Badeort Druskininkai und Besichtigung des Grutos Park in dem ein Unternehmer aus Vilnius die nicht mehr gewollten Statuen und Denkmale aus der sowjetischen Besatzungszeit in einem Landschaftspark aufgestellt hat und die Besucher sich mit realistischer akustischer Berieselung in jene Zeit zurückversetzt fühlen.

Der Nationalpark Dzukija im Süden von Litauen ist auch kieferndominiert, in Geländeeinschnitten und Feuchtstandorten steht noch heute Laubwald. Es überwiegen alte Kiefern mit einem Unterstand aus Wachholder. Wir lernten einen sehr engagierten Forstmann kennen, der sich für den Schutz der Wälder und die Öffentlichkeitsarbeit einsetzt.

Einige Teilnehmer der Konferenz berichteten hier von ihren Projekten:

Biljana Filipovic vom Umweltschutz Ministerium aus Serbien und Montenegro berichtete über Naturschutz in ihrem Land.

Herr Alkan vom Black Sea Forstry Research Institut berichtete über sein Projekt über Frauen in Waldsiedlungen und ländliche Entwicklung.

Herr Sigfried Lewark vom Institut für Forstbenutzung der Uni Freiburg berichtete über Gender-Studien als neuen Studiengang in Freiburg.

Diana Mizaraite von der Litauischen Forstlichen Versuchsanstalt berichtete über Gender-aspekte bei Privatwaldbesitzern in Litauen.

Brenda Bussche der Flämischen Forst-Administration berichtete über den Wald in Flamen und die Auswertung eines Fragebogens an die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen über die Zufriedenheit mit ihrer Arbeit und Gender-Fragen.

Freitag, 27.MaiStadtbesichtigung und Stadtbummel in Vilnius.

Die nächste Forst-Frauen-Konferenz soll 2006 in Serbien-Montenegro stattfinden.