Frauen im Forstbereich e.V. | ||||||||||||||||
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International |
10. Internationale Forstfrauenkonferenzvom 25. bis 31. May 2008 in der Slowakei
Montag, den 26.05.08Christiane L o r e n z-L a u b n e r Erstes Ziel war der Stadtwald von Trencin einer rd. 60.000 Einwohnerstadt im Nordwesten der Slowakei, am Fuß der Weißen Karpaten. Auf 670 ha überwiegend Kalkstandorten steht eine lockere Mischung aus Kir, Ul, Li, Bah, Es, Bu und Hbu hervorgegangen aus NV. Z.T. gibt es Anpflanzungen etwa 100 jähriger Schwarzkiefer. Auf 200 ha ist die Erholungsfunktion vorrangig. Es wird nicht gejagt und außer Verkehrssicherung gibt es auch keine Bewirtschaftung. 60 ha des Stadtwaldes sind Wald mit besonderen Funktionen und der Rest von ca. 400 ha wird ganz normal bewirtschaftet. 1992 wurde der Wald der Stadt zurückgegeben (Restitution), von `49-`91 gehörte er dem Staat. Zuvor gab es wechselnde Eigentümer: bis 1949 – Stadt, ca. 1900 – Kirche, davor: Adel. Der Stadtwald umgibt die Burg Trencin. Bis 2006 gab es 22 Beschäftigte, heute sind noch drei Techniker beschäftigt. Früher angestellte MitarbeiterInnen sind heute selbstständig. Dadurch ist die Produktivität gestiegen, aber auch die Konkurrenz. Ein Verkauf des Stadtwaldes konnte 2008 abgewendet werden. Bis 2006 kostete die Bewirtschaftung 5 Mio slowakische Kronen (ca. 170.000 €), heute beträgt der Zuschuss der Stadt laut Jahresplan 2 Mio, real sind es aber nur ca. 1,2 Mio SK (40.000 €). Erholungseinrichtungen sind ein Spielplatz mit angrenzender Gastronomie sowie zwei „Stadtschuhgeeignete“ Waldlehrpfade, die im Wesentlichen als Tafelpfade angelegt sind. Darauf finden u.a. Führungen mit Schulklassen durch die drei Forstingenieure statt. Ein Empfang im Rathaus beim Bürgermeister, die Besichtigung der Burg Trencin und eine abendliche Vorstellungsrunde füllten den ersten Tag.
Dienstag, den 27. Mai 2008Antje F e l d h u s e n Der zweite Tag stand im Zeichen des Staatwaldes vom Trenčin. Neben dem gestern besichtigten Stadtwald gibt es in Trenčin auch ein staatliches Forstamt. Dieses wird als Einziges der 26 Forstämter der Slowakei von einer Frau geleitet.
Das Forstamt bewirtschaftet 166 620 ha, davon sind 42 % Wald. Er ist gegliedert in 9 Revierförstereien. Neben der Leiterin und den Förstern sind zwei Personen im Büro angestellt. Der gesamte Holzeinschlag von ca. 140 000 Fm wird durch Stockverkauf und Unternehmern getätigt.
Geprägt ist der Wald durch seine Geschichte, denn bis Ende des 19ten Jahrhunderts hatte in dieser Gegend die Glasproduktion die größte wirtschaftliche Bedeutung. Der Wald war Privateigentum des Glashüttenbesitzers. Die Versorgung der Glashütte mit Brennmaterial stand an erster Stelle. Erst 1965 wurde die Eisenbahn durch eine Straße ersetzt. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden die Flächen dann verstaatlicht. Die Waldfläche besteht zu 20 % aus Laubwald und zu 80 % aus Nadelwald. Da es sich fast ausschließlich um Laubholzstandorte handelt, versucht die Forstwirtschaft den Laubholzanteil durch Schirmschlag und natürliche Verjüngungsverfahren in der Buche zu erhöhen und die historisch bedingten Kiefern- und Fichtenwaldungen zurückzudrängen. Die gesamte Fläche ist PEFC-zertifiziert und der besuchte Revierteil hat zusätzlich eine FSC-Zertifizierung. Heute spielt neben der Holzproduktion die Bewirtschaftung der Forellenteiche und der Ski- und Jagdtourismus eine große Rolle. Das Forstamt betreibt vier Hütten, die gewerblich vermietet werden. Weiterhin grenzt der Wald auch an Ortschaften an, die durch traditionelle Bäderkultur geprägt sind. Im Bereich des Kurortes Trenčianske Teplice hat die Forstverwaltung einen 4,5 km langen Lehrwaldweg angelegt. Diesen Lehrpfad besuchten wir am Nachmittag. Hier werden anhand von 10 Haltepunkten der Wald und seine Funktionen vorgestellt.
Am Abend wurde das Programm durch einen allgemeinen Vortrag über die Fortwirtschaft in der Slowakei und eine Musikeinlage abgeschlossen, die schließlich in ausgelassenem Tanzen endete.
Mittwoch, 28. Mai 2008Gerlinde D e h o s Fasanerie in `CifáreDie Fasanerie umfasst eine Fläche von ca. 120 ha und stand ursprünglich im Besitz des Grafen von Esterhazy und ist nunmehr im staatlichen Besitz. Insgesamt gibt es drei staatliche Fasanerien.
Angestrebt ist, dass die Fasanerie wirtschaftlich arbeitet. Jährlich werden ca. 30.000 Fasanen gezüchtet. Im Alter von 6 Wochen werden diese in Volieren verbracht, sobald sie überlebensfähig sind, werden sie ausgesetzt. Es finden dann jährlich von Oktober bis Februar Treibjagden (jährlich 25 bis 30 Jagdtage) statt. Dabei handelt es sich sowohl um nationale als auch internationale Jagdgruppen, die aus 7 bis 15 Jäger und Jägerinnen bestehen. Die Tagesstrecke bewegt sich pro Gruppe um ca. 300 Fasanen. Das Jagdschloss Sväty AntonIm Schloss ist ein vom Forst verwaltetes Museum vorzufinden. Hier können beeindruckende jagdliche Exponate bewundert werden.
Donnerstag, 29.05.2008Birgit H o m a n n Vormittag: Vorträge und Diskussion in der Universität.Das slowakische „Forest chamber“ ist die Vereinigung der Forstleute und Institutionen, die im Wald arbeiten. Es wurde1993 per Gesetz gegründet und hat ca. 400 Mitglieder. Ziel der Forstkammer ist, die Wälder zu verbessern sowie praktisch im Wald zu arbeiten. Ihre Ziele kann die Forstkammer nicht immer durchsetzen. Sie veranstaltet Veranstaltungen für die gesamte Slowakei und den Wettbewerb „wer ist der beste Förster in der Slowakei?“ In der Forstkammer gibt es eine Abteilung von und für Frauen. „Slowak Women working in Forestry” ist eine freiwillige Vereinigung. Sie organisieren seit 1999 jährliche Treffen für Forstfrauen und ihre Familien in der Slowakei mit Fachprogramm und Kulturprogramm. Etwa seit dieser Zeit begannen Sie auch die Waldpädagogische Arbeit in der Slowakei zu verbreiten. Beide Institutionen haben Projekte, die sich mit Gender-Fragen beschäftigen. Nachmittag: Zentrale der Slowakischen Staatsforsten in Banská BystricaEs empfängt uns der Finanz- und Wirtschaftsdirektor (einer von 4 Direktoren neben dem Leiter der Staatsforsten) Das staatliche Forstunternehmen in der Slowakei bewirtschaftet mit 4050 Mitarbeitern, davon 2800 Techniker (540 Frauen) etwa 90 000 ha Wald mit einem Einschlag von ca. 1 Mio Festmeter pro Jahr. Jedes Jahr werden 5600 ha verjüngt. Es handelt sich um Staatswald und 20 % Wald von unbekannten Besitzern oder ungeklärten Besitzverhältnissen. Die Waldarbeit selbst wird von Unternehmern durchgeführt. Der Durchschnittslohn ist mit 700 € höher als der Durchschnitt des Landes (600 €). Waldarbeiter verdienen viel weniger (ca. 14000 SK das entspricht etwa 470 €). Historische Waldbewirtschaftung zu Demonstrationszwecken: Holztransport für Schichtholz in wasserbetriebenen Riesen im Tal bei Dolný Harmanec (Stadt Banská Bystrica). Die Riese ist seit 2001 nationales Kulturdenkmal, die Rekonstruktion erfolgte in 2006. Die gezeigte historische Riese aus dem 19. Jahrhundert ist 2450 m lang und ausschließlich aus Fichten- und Tannenholz ohne Verwendung weiterer Materialien konstruiert. Sie hatte ursprünglich ein Einzugsgebiet von ca. 200 ha mit einem Höhenunterschied von 250m. Hier arbeiteten 40 Waldarbeiter, die jeden Tag 100 fm Holz hauen, bearbeiten und transportieren konnten. In diesem Waldgebiet gab es noch 3 weitere Riesen. Heutzutage werden die Wälder in solchen Steillagen – und davon gibt es reichlich in der Slowakei – in einer Art Streifenkahlschlag verjüngt. Die Streifen sind etwa eine Baumlänge breit und reichen vom Bergkamm bis zum Talweg. Der jeweils nächste Streifen wird 10 – 20 Jahre später eingeschlagen. In der Regel funktioniert die Verjüngung der Buche mit Mischbaumarten ohne Probleme. | |||||||||||||||