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Internationale Forstfrauenexkursion 1998
in die ukrainischen Karpaten

Vom 24. bis 30. Mai 1998 trafen sich 25 Forstfrauen aus 7 Ländern zu einer Exkursion in der Ukraine, um den beeindruckenden Naturraum der Karparten auf Einladung des Staatsforstbetriebes Uzhgorod kennenzulernen.

Persönliche Kontakte ermöglichen Erfahrungsaustausch

Der Kontakt des deutschen Vereins "Frauen im Forstbereich e.V." zu slowakischen Kolleginnen entwickelte sich 1997 zu einer Forstexkursion in die Slowakei, an der neben den deutschen und den gastgebenden Frauen Kolleginnen aus 3 weiteren osteuropäischen Ländern teilnahmen. Aus dieser letztjährigen Exkursion resultierte die Einladung zu der Exkursion in die Ukraine in diesem Jahr, der Forstfrauen aus der Slowakei, Tschechien, Polen, Ungarn, Rumänien und Deutschland folgten.

Schwerpunkte im Exkursionsgebiet, der ukrainischen Region Transkarpatien, waren neben dem persönlichen Erfahrungsaustausch und dem Kennenlernen eines für uns weitgehend unbekannten Landes die Themen Aufforstungen, Senevir Nationalpark sowie Karpaten Biosphärenreservat.

Aufforstungen

Im Staatsforstbetrieb Uzhgorod, benannt nach der gleichnamigen Hauptstadt der Region, diskutierten wir Aufforstungen nach Windwurf- und Borkenkäferkalamitäten in Fichtenbeständen unterhalb der natürlichen Fichtenstufe dieser Mittelgebirgsregion.

Der Forstbetrieb bewirtschaftet eine Fläche von 4.150 ha mit einem Buchenanteil von rund 80 %. Der Jahreseinschlag von ca. 3.500 fm wird überwiegend auf dem Stock an Selbstwerber verkauft. Im Betrieb sind 45 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen beschäftigt, davon 16 als Revierförster.

Auffallend waren die Aufforstungen mit verschiedenen, auch nicht heimischen Baumarten, wie z.B. Winterlinde, Robinie und Douglasie in Reihen- oder Douglasie, Weißtanne, Rotfichte, Winterlinde und Vogelkirsche in Einzelmischung. Die Entwicklung und die zukünftige Pflege der Kulturen wurden kritisch diskutiert.

Insbesondere stellte sich die Frage der Konkurrenz der verschiedenen Baumarten in Abhängigkeit des Wuchsverhaltens sowie dem angestrebten und realistisch erreichbaren Ziel in der weiteren Entwicklung der Flächen.

Die wissenschaftliche Begleitung für den Fremdländeranbau wird u.a. vom forstlichen Arboretum "Berezinka" in der Nähe der Stadt Mukatschewo geleistet, wo seit 1957 auf 33 ha Anbauversuche insbesondere mit nicht heimischen Baumarten durchgeführt werden. 

Senevir Nationalpark

Namengebend ist der ca. 1.000 m hoch gelegene Senevir-See, benannt nach einer ukrainischen Sage. Der 1990 gegründete Nationalpark umfaßt ein Gebiet von ründ 40.000 ha Fläche, davon 27.000 ha Wald. im Gebiet leben 22.000 Menschen, zumeist in dörflichen Strukturen mit bäuerlichen Klein- und Kleinstbetrieben.

Die Nationalparkverwaltung beschäftigt 460 Mitarbeiter überwiegend in den Bereichen Waldschutz, Aufforstungen und Tourismus. Ziel ist die Entwicklung eines "sanften" Tourismus mit der Hauptattraktion Naturerlebnis. Ergänzt wird das Angebot durch kulturelle Sehenswürdigkeiten wie das Flößerei-Museum an einer Staustufe aus dem 19. Jahrhundert in der Nähe der Nationalparkverwaltung, an dem die geschichtliche Bedeutung der Region für die Holzversorgung deutlich wird.

1997 waren rund 1.000 auswärtige Besucher zu verzeichnen, deren Zahl in den nächsten Jahren stark steigen soll.

Karpaten-Biosphärenreservat

Höhepunkt der Exkursion war das Erleben der, nicht zuletzt wegen ihrer Ausdehnung, beeindruckenden Naturräume des Karpaten Biosphärenreservates. Das aus 5 räumlich getrennten Einzelgebieten bestehende Reservat umfaßt insgesamt eine Fläche von rund 39.000 ha, wovon ca. 20.000 ha der höchsten Schutzkategorie (Totalschutz) angehören. Das Spektrum der Einzelgebiete reicht von planar-kollinen Gebieten mit 180 m ü. NN bis zu submontanen und montanen Zonen.

Das Reservat wurde 1993 gegründet, ein Teil der Flächen unterliegt bereits seit 1968 einem besonderen staatlichen Schutz. Der Schwerpunkt liegt neben der Erhaltung der großflächigen, von Menschen weitgehend unbeeinflußten Naturräume, im Gegensatz zum Senevir-Nationalpark, in der wissenschaftlichen Arbeit. Im Gebiet lebt eine Vielzahl bedrohter Tier- und Pflanzenarten, von denen über 100 der internationalen und nationalen Roten Liste zugeordnet sind, darunter auch einige endemische Arten.

Ein ausgedehntes Feuchtwiesengebiet (rund 250 ha) mit großflächigem Vorkommen der Weißen Narzisse (Narcissus angustifolius) unweit der Stadt Chust nahe der rumänischen Grenze war ebenso beeindruckend wie die autochthonen Buchennaturwälder mit z.T. plenterähnlichen Strukturen und die Karst-Höhlen im Uholsky-Massiv.

Im Gebiet des Biosphärenreservates liegen auch Teile der Genressourcenwälder Transkarpatiens, die zur Erhaltung autochthoner Buchenbestände durch Saatgutgewinnung ausgewiesen wurden. In einigen Gebieten werden Vorräte bis zu 800 fm pro ha im Altbestand erreicht.

Die Entwicklung von Buchen- und Laubmischwäldern in niedrigen Lagen zu tannenreichen Bergmischwäldern in höheren Lagen konnte bei der Anfahrt und der Besteigung des Hoverla, mit 2.061 m höchster Berg der Ukraine, ausgezeichnet beobachtet werden. Einzelne Weißtannen erreichen 36 fm Masse bei Höhen um 60 m.

Der mit der Höhenlage steigende Fichtenanteil führte zu reinen Fichtenbeständen, die dann in Kiefer-, Weißerlen- und Wacholdergebüsch, Wiesengesellschaften und Felsformationen übergingen. 

Antje Feldhusen und Susanne Hoffmann


A. Feldhusen nahm 1998 die Funktionsstelle für Waldinformation und Umweltbildung im Niedersächsischen Forstamt Göhrde war, S. Hoffmann leitete den Innendienst des Forstbetriebes der Umweltbehörde Hamburg. Die Organisationsleitung hatte auf ukrainischer Seite Swetlana Kostiv.