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1999 Rumänien

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Europäische Forstfrauenexkursion nach Rumänien vom 23. - 29. Mai 1999

1. Tag, Montag, den 24. Mai

Forstdirektion Brasov:

Besichtigung der Forstdirektion, Einführung in die Region Brasov

Forstliche Daten: - 166.000 ha Wald, das sind ca. 30% der Fläche (Rumänien insgesamt hat 27% Bewaldung)

- Es gibt mehr alten als jungen Wald (die höchste Altersklasse ist über 120 Jahre)
- Masse 276 Vfm/ha, - O Zuwachs 6,2 Vfm/ha/a
- jährliche Nutzung 400.000 m3, FE erlaubt 520.000 m3
- Nachhaltigkeit ist oberstes Ziel
- in den letzten Jahren wenig Insektenholz
- über die Hälfte wird durch Naturverjüngung verjüngt
- illegale Holznutzung durch Kontrollen auf 0,2-0,5 % reduziert
- 50 % der Waldfläche hat besondere Waldfunktionen (Wasser, Boden, Klima, Immissionen, Naturschutz)
- Es gibt viele Naturreservate z. B.: Piatra Craiului "Königsstein" (22 km langer Kalkstein-Berg bis 2200m hoch, endemische Pflanzen), Narzissen-Reservat "Poiana Narciselor"
- Es werden Bären gejagt. Von ca. 300 Bären werden 5-10 % erlegt, ca. 5 % der Einnahmen der Forstverwaltung kommt aus der Jagd
- Die Bevölkerung ist an das Leben mit den Wildtieren gewöhnt
- Die Forstverwaltung verkauft auch Pilze

Forstliche Fakultät Brasov:

Rundgang durch die Präparate-Sammlung, Vortrag über die Ausbildung

Daten:- Die forstliche Fakultät ist Teil der Universität von Transsilvanien.
- 10 Fakultäten und 2 "Colleges".
- Anfänge der Forstfakultät waren in Sibiu (Hermannstadt), danach in Bukarest und seit den 1850er Jahren in Brasov.
- Seit 1990 gibt es 3 Forstfakultäten, Brasov, Oradea (NW-Rum), Suceava (Moldau).
- Es studieren ca. 870 Studenten an der Universität und ca. 300 im 3-jährigen College.
- Am Beginn steht eine Eingangsprüfung, fast alle beenden das Studium, ca. 20% Frauen.
- 5 Spezalisierungsgebiete: - Forst / - Holzernte / - Umwelt-, Naturschutz / - Jagd- management / - Forsteinrichtung und Kartografie.
- Wöchentlich werden ca. 15 Stunden Vorlesungen und 15 Stunden Praktika gehalten.
- Praktika werden in verschiedenen Forstunternehmen angeboten.
- Nach dem Studium 1 Jahr Postgraduate zum Thema Forstkultur und Holzernte.
- Nach dem Abschluß ist für ein weiteres Jahr ein Masters-Kurs möglich (10 Plätze).
- Es gibt 112 Doktoranden und 17 Supervisor-Professoren.
- 90% der Studenten bekommen Stipendien, 10% zahlen Schulgeld, 35% bekommen zusätzlich Unterhalt.
- In der letzten Zeit finden nicht mehr alle Absolventen eine Stelle im Landesforstdienst.

2. Tag, Dienstag, den 25. Mai

Forstamt Zarnesti:

Daten: - Auf 19 000 ha 1 FA-Leiter, 2 weitere Beamte, 17 Ranger (=Förster), 2 Fällungsteams + saisonale Arbeitskräfte.
- 19 000 ha, davon 300 privat, 3 Reviere, 5-6 Rangers pro Revier.
- 550 - 1900 m ü.NN, 950 mm Niederschlag, 600 mm in der Veg. Zeit.
- Temperatur. 6,6°C, kältester Mon. - 6°C, wärmster Mon. 16°C.
- Grundgestein ist Kalkstein, 75% mesobasische Braunerde.
- 15% Fi-Bergwald, 62% Berg-Mischwald, 13% (unterer) Bu-Wald, 10% Eichenwald.
- 41% Fichte, 13% Tanne, 39% Buche, 7 % Hart- und Weichlaubholz.
- 6 Altersklassen, ziemlich ausgeglichen zwischen 11 und 23 %.
- 60% des Waldes liegen über 900-1300 m ü. NN, 52% der Fläche hat eine Neigung von 16-30°, der Rest ist noch steiler (ca. 25°).
- Jährlicher Einschlag: 62 000 m3, davon 42 000 m3 Endnutzung.

Naturreservat "Piatra Craiului" - Königsstein:

Daten: - Das Naturreservat umfaßt 15 800 ha, davon 6 100 ha enge Schutzzone.
- Im Forstamt Zarnesti liegt nur ein Teil des Gebietes.
- Die Weltbank unterstützt die Entwicklung dieses Naturreservates.
- Schutzziel ist "Biodiversität".
- Die gesamte Region ist streng geschützt (keine Lifte, keine neuen Wege, keine Elektizitätsleitungen).
- Faktor "Mensch" wird in das Schutzkonzept integriert: traditionelle Holz- nutzung und Weiderechte können, wo es ökologisch vertretbar ist, beibehalten werden.
- Die Weltbank unterstützt noch 2 weitere Naturpark-Projekte in Rumänien.
- Eine Arbeitsgruppe soll hier einen Nationalpark umsetzen, d.h. die Grenzen der verschiedenen Schutzzonen festlegen.
- Es besteht Zusammenarbeit mit kanadischen und europäischen Institutionen.

Carpathian Large Carnivore Project:

Vortrag über das gemeinsame Projekt der Wildbiologischen Gesellschaft München e.V., des forstlichen Forschungs- und Managementinstituts der rumänischen Forstverwaltung (ICAS) und der Carpathian Wildlife Foundation:

Daten: - Die rumänischen Karpaten umfassen ca. 1,5 % der Fläche Europas,
- hier leben 35 % aller Bären Europas (ohne Rusland).
- Das Kern-Untersuchungsgebiet ist ca. 200 000 ha groß.
- In der Nachkriegszeit wurden die großen Raubtiere vehement bekämpft,
ihre Population sank durch Vegiftung, Jagd und Fallen auf 20% (ca. 1000).
- Ceaucescu liebte die Bärenjagd. Er schränkte die Jagd ein. Die Bären> wurden gehegt, ihre Zahl stieg von 1 000 auf ca. 8 000 an.
- In der Nähe von Brasov gibt es ca. 20 Bären, die von Müll leben. Man versucht sie scheu zu machen und sie zu vertreiben.
- Bären gibt es auch in Slowenien, Kroatien und in der Slowakei.
- Es gibt ca. 3 000 Wölfe. 12 Tiere aus 6 Rudeln wurden mit Radiosendern bestückt und telemetriert. Auch in der unmittelbaren Umgebung von Brasov wurde eine Wölfin telemetriert, die mitten durch die Stadt lief (Film der BBC).
- Etwa 5 Mio Menschen leben in dem selben Gebiet wie die wilden Tiere;
- zusätzlich gibt es ca. 5 Mio Weideschafe, Kühe und Pferde auf den alpinen Weiden. Diese werden von zahlreichen Hütehunden und den Schäfern Tag und Nacht bewacht, so daß relativ wenige Tiere gerissen werden.
- Auch in Rumänien wird die Schäferei durch Verfall des Wollpreises und steigende Lohnkosten zunehmend unrentabel. Wird langfristig verschwinden.
- Es gibt außerdem Luchse und Wildkatzen>.
- Wie kann aus der Anwesenheit der Raubtiere Gewinn erwirtschaftet werden?
- Ökotouristen aus 5 Ländern Westeuropas (bisher 25 Gruppen im Jahr).

Ziele: - Direktes Einkommen durch die Wildtiere; die Gegend zu erhalten wird wichtig.
- Werbung für Rumänien, Voreingenommenheit für Rumänien abbauen.
- In Westeuropa Furcht vor den Raubtieren verringern.

3. Tag, Mittwoch, den 26. Mai

Forstamt Codlea:

Daten: - 15 300 ha, 4 Reviere, je 600 ha ein Ranger. 3 000 ha bes. Waldfunktionen.
- 500 - 1280 m ü. NN, Hauptvegetationsform Buchenwald mit Eiche.
- 55% Buche, 20% Eiche, 12% Fi/Ta, 9% Hainbuche und sonst. Laubholz.
- Wirtschaftsformen: progressive Femel-Wirtschaft in Eiche,
- Saumschlag bei Buche, Räumung wenn 70-80% verjüngt (Nvj. über 1m).
- Kahlschlag (ohne Verjüngung) nicht über 3 ha Größe erlaubt.
- 70 % des Einschlages tätigen Fremdfirmen, die das Holz auf dem Stock kaufen. Die Bäume werden angezeichnet, auch die Stöcke speziell gekennzeichnet, damit die Kontrolle möglich ist.

Waldbild 1: 120-jährige Buche (mit Eiche, Bergahorn und Esche),
- 1984 1. Hieb auf Bestockungsgrad zwischen 0,6 und 0,7,
- 1989 2. Hieb auf einen Bestockungsgrad von etwa 0,5,
- 1999 jetzt steht die Räumung an.
Im Alter 120 hat der Zuwachs kumuliert, die Bäume sind damit hiebsreif, die Fläche ist voll verjüngt, kleine Fehlstellen werden ausgepflanzt.

Waldbild 2: 120-jährige Eiche (mit Buche und Hainbuchen-Unterstand), Furnierholzbestand, schon jetzt relativ dick, soll ca. 180 Jahre alt werden. Der Bestand soll nur sehr wenig durchforstet werden (fast nur Abgängige), damit kein Graswuchs die spätere Verjüngung behindern kann.
Hinweis einer Slowakin: Plötzlich absterbende Eichen (auch Alteichen): durch Scolytus verursacht?

Forstamt Fagaras:

Daten: - Das Forstamt wurde unter ungarischer Herrschaft um 1870 gegründet.
- Damals wurde aller Wald vom Staat bewirtschaftet und gleich behandelt.
- Die Besitzverteilung damals: 10 500 ha Staatswald, 18 900 ha Kommunalwald, 2 000 ha Privat/Gemeinschaftswald, 500 ha Kirchenwald und andere.
- 1929 gab es eine Landreform, der Privatwald kam zu den Kommunen.
- 1948 wurde der Wald verstaatlicht, das Forstamt wurde in die Forstämter Fagaras und Voila aufgeteilt.
- Heute hat das Forstamt 15 600 ha in 5 Revieren (2 im Hügelland und 3 im Gebirge an den Nord- und Ostflanken der Berge).
- 9 000 ha mit besonderen Schutzfunktionen, 5 000 ha davon bewirtschaftet.
- Zuwachs 5,1 m3, O Vorrat 270 m3, O Holzernte 2,7 m3.
- Einnahmen 1 Mio DM, davon 80% aus Holzverkauf.
- Holz auf dem Stock kostet etwa 20 DM je m3.

Forstamt Voila:

Daten:- Westlichstes Forstamt im Distrikt Brasov, fast nur Bergwald aus Fi-Ta-Bu.
- 15 00 ha Wald, 40% mit besonderen Waldfunktionen.
- 17 °C, 150 Tage Schnee, Kristallin-Gestein.
- Das Fagaras-Gebirge hat mit 2544 m den höchsten Berg Rumäniens.
- Einschlag ca. 3 m3/ha.
- Es gibt 65 verschiedene Waldtypen, meist Buchen/Nadel Mischtypen.
- Bei Läuterungen werden bedrängende, unerwünschte Bäume geknickt.
- In 6 Jagdbezirken werden Bär, Gemse, Hirsche und Sauen gejagt, auch durch ausländische Jäger. Wolf und Luchs werden nicht gejagt.

4. Tag, Donnerstag, den 27. Mai

Forstamt Sercaia:

Daten: - 15 000 ha Wald, 50% Buche, 25% Fi/Ta, Rest Eiche und sonst. Laubholz.
- Einschlag 3,6 m3/ha, 40 ha Verjüngung, je zur Hälfte Nvj. und Pflanzung.
- Erlös ca. 400 000 S, davon 20 500 S aus der Jagd:
  Es gibt 35-40 Bären, 2 Bären werden erlegt, dazu Hirsche und Sauen.

Schutzgebiet Narzissenwiese: Insgesamt 400 ha auf nassem Boden. Wurde einige Jahre nicht gemäht, scheint aber wohl besser zu sein, wenn es einmal jährlich im August gemäht wird. Wiesen sind locker mit Eiche, Birke und Aspe überschirmt.

5. Tag, Freitag, den 28. Mai

Waldbild im FA Brasov: Fichten-Samen-Reservat "Poiana Brasov", 120 Jahre.
Die Plusbäume haben eine Masse von bis zu 16 m3.

Forstamt Rasnov:

Daten: - 18 000 ha, 40 % Buche, viel Bergwald.

Waldbild: Buchen-Bestand, 80 Jahre, 700 m ü. NN, Vorrat 370 m3, Zuwachs 7,3 m3.
- Letzter Eingriff vor 15 Jahren bei BHD 25 cm, heute ca. 36 cm BHD.
- Pflegestrategie: Im Alter 10-30 intensive Läuterungen, anschließend 3 Durchforstungen, zwischen Alter 60 und 100 Hiebsruhe, Schirmschlag in 3 Maßnahmen im Alter 100 bis 120
(vergl. FA Codlea, 3. Tag).