Frauen im Forstbereich e.V. | ||||||||||||||||
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International |
Ein Wiedersehen in der SlowakeiWir flogen zu sehr günstigen Konditionen von Stuttgart nach Bratislava. Dort wurden wir auf das Freundlichste empfangen und auch über die Zeit des Treffens hinaus liebevoll umsorgt und betreut. Nächstes Jahr gibt es in der vorletzten oder letzten Augustwoche wieder ein Treffen in der Slowakei. Es wäre schön, wenn ein oder zwei Frauen aus unserem Verein hinreisen würden. Es lohnt sich immer! nun aber zum Bericht:Die Slowakei ist ein Land der Gegensätze. Das fällt schon beim Anflug auf Bratislava auf, wo die landwirtschaftlichen Flächen riesig sind. Auf der anderen Seite sieht man im Landesinneren Felder in Gartengröße, die noch mit Hand bewirtschaftet werden. Die politischen Umwälzungen im letzten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts haben zu großen Veränderungen geführt, was auch in der Forstwirtschaft Spuren hinterlassen hat. Es wird auch in der Slowakei rationalisiert und viele Forstleute bangen um ihre Arbeitsplätze. Dieses bietet immer sehr viel Diskussionsstoff, auch auf dem slowakischen Forstfrauentreffen, zu dem wir auch dieses Jahr wieder angereist waren. ![]() Teilnehmerinnen am 6. slowakischen Forstfrauentreffen Die Slowakei ist mit ca. 49.000 km² Landesfläche ungefähr so groß wie Niedersachsen, hat aber fast 2,5 Mio weniger Einwohner. Ca. 40 % der Landesfläche ist Wald, der allerdings sehr unterschiedlich verteilt ist. So gibt es im Südwesten Bezirke mit nur gut 15 % Wald während im Forstbezirk von ilina im Norden über 55 % der Fläche mit Wald bedeckt ist. Der größte Waldbesitzer ist der Staat mit einem Anteil von 42 %. Danach folgen mit 25 % die Gemeinschaftswälder, 15 % des Waldes gehört Privatbesitzern und fast 10 % ist im Besitz von Kommunen. Die restliche Fläche gehört landwirtschaftlichen Genossenschaften, der Kirche oder die Eigentumsfrage ist noch gar nicht geklärt. Bewirtschaftet wird der Wald überwiegend von der Staatsforstverwaltung (62 % der Fläche), da sich heute insbesondere Privatwaldbesitzer häufig nicht mehr in der Lage sehen, ihren Wald selbst zu bewirtschaften. Viele haben deshalb die Nutzung ihre Wälder an den Staat verpachtet. Die wichtigste Baumart in der Slowakei ist die Buche (30 %), dicht gefolgt von der Fichte (27 %). Der Laubbaumanteil liegt bei 58 %. Große Probleme gibt es durch Kalamitäten, ausgelöst durch verschiedene Ursachen. In den letzten Jahren gab es Forstämter, bei denen die Kalamitätsnutzung 100 % der gesamten Nutzung ausmachte. Das diesjährige Forstfrauentreffen der Slowakei fand im Forstbezirk von ilina statt. Am ersten Exkursionstag waren wir in einem Forstrevier, dass 5.900 ha umfasst. Davon sind über 1000 ha Problemflächen, entstanden aus ehemaligen Weideflächen. Naturverjüngung ist hier nur in Form von Heckenrosen und Haselnüssen vorhanden. Da es keine Fördermittel für das Räumen dieser Flächen gibt, gestaltet sich die Aufforstung schwierig. Das Revier besitzt eine eigene kleine Baumschule, in der Fichten, Buchen und Eichen für den Eigenbedarf herangezogen werden. Im Jahr werden 23 - 28.000 fm Holz fast ausschließlich von eigenen Waldarbeitern eingeschlagen. Letztere werden aber auch in der Slowakei immer seltener. 50 % der jährlichen Ausgaben entfallen auf Waldschutzmaßnahmen, insbesondere im Hochgebirge der Hohen Fatra (kein Schreibfehler!). Unter anderem wird Einzelverbissschutz mit Schafwolle durchgeführt und das Schälen der Bäume durch Rotwild durch das Einwickeln der Stämme mit Fichtenzweigen verhindert. 20 % des jährlichen Einschlages entfallen in diesem Revier auf Kalamitäten, hpts. durch Wind in Beständen mit starken Schälschäden. Das ist im Vergleich zu anderen Gebieten der Slowakei relativ wenig. Die Kosten für Wildschutzmaßnahmen dürfen seit neuestem in die Jagdpacht mit eingerechnet werden. Am 2. Exkursionstag bereisten wir das Naturschutzgebiet der Hohen Fatra, das 8.600 ha Wald und zahlreiche Almen umfasst. Der Holzeinschlag ist hier mit 6.000 fm jährlich sehr gering und wird zu 70 % mit eigenen Pferde gerückt, häufig in Verbindung mit Seilanlagen. ![]() Das Teufelsloch im Naturschutzgebiet "Hohe Fatra" Der Schwerpunkt der forstlichen Arbeit liegt hier auf dem Naturschutz. Dazu gehört auch, dass die Jagd und die Fischerei in Eigenregie durchgeführt werden. Jagdbares Wild sind neben Reh-, Rot- und Schwarzwild auch Wölfe, Bären, Luchse und Gemsen. Bei den Gemsen handelt es sich übrigens nicht um die Unterart aus den Karparten sondern um Alpengemsen, die hier im letzten Jahrhundert angesiedelt wurden. Das NSG zieht natürlich auch viele Touristen an, die besonders gerne Berge wie den 1592 m hohen Ostredok, den auch wir besteigen durften. Der Aufstieg lohnt sich, da der atemberaubende Ausblick die Wegequalität entschädigt. Auch kulturell hatte dieses Forstfrauentreffen wieder viel zu bieten. Wir besichtigten u. a. die Stadtburg Kremica mit der Kirche der heiligen Katharina. Von dem Kirchturm aus hat man einen schönen Blick auf die Umgebung der alten Bergarbeiterstadt, in der früher Gold gefunden wurde. Hier erfuhren wir auch, dass die Forstverwaltung ein eigenes Restaurant in der Stadt besitzt, dass sehr empfehlenswert ist. (Übrigens haben wir in einem Hotel gewohnt, das ebenfalls im Eigentum der Forstverwaltung ist.) Als krönenden Abschluss konnten wir unsere müden Glieder im Thermalbad von Turcianske Teplice in 35° warmen Wasser ausstrecken. Als besonderen Ausklang unserer Reise besuchten wir mit Zdena Hudecova die Messe AgroKomplex 2004 in Nitra. Dort hatten die Forstfrauen einen Stand mit waldpädagogischen Angeboten. Die Messe war erstaunlich vielseitig. So gab es neben dem land- und forstwirtschaftlichen Angebot auch eine breite Palette kultureller Themen, sowie alles nützliche für Haus und Hof. Mit vielen neuen Eindrücken flogen wir wieder nach Hause. Wie schon früher waren wir von der Gastfreundschaft der Slowaken sehr beeindruckt und wir können nur jeder deutschen Forstfrau empfehlen, die Einladung unserer slowakischen Kolleginnen anzunehmen. Das Forstfrauentreffen findet immer Ende August statt. Nächstes Jahr gehen die Exkursionen in die Umgebung von Bratislava (Kiefer auf Sand). Flüge von Stuttgart nach Bratislava sind mittlerweile erschwinglich (und man hat uns versprochen, dass nächstes Jahr keine langen Bergtouren zu erwarten sind. Gutes Schuhwerk sollte man aber trotzdem mitnehmen!) An Zdena und die anderen Forstfrauen: Dakujem vel'mi pekne. Dovidenia Katharina Kolata und Anke Waldmann | |||||||||||||||