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Slowakei 2006

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Das 8. slowakische Forstfrauentreffen

17. - 20. August 2006 im Ort "Hriňová"

Am 16. August 2006 machte ich mich mit Katharina auf den Weg zum Flughafen Köln-Bonn, wo wir am Abend mit einem Billigticket nach Bratislava flogen. Das war zwar nicht sehr ökologisch, ersparte uns aber eine sehr lange Bahnfahrt. Es war paradoxerweise sogar noch billiger. Für mich war es der erste Besuch der Slowakei. Erst vor Ort wurde mir klar, dass wir uns zwar in der EU, aber nicht mehr im Euroland befanden. Es war aber kein Problem einige Euros in Slowakische Kronen zu tauschen.

In Bratislava wurden wir von Zdena Hudecov abgeholt. Zdena, die auch schon viele deutsche Forstrauentreffen besuchte, ist trotz ihrer Pensionierung aktiv als Gutachterin in verschiedenen Privatforsten tätig. Außerdem engagiert sie sich sehr für die Waldpädagogik. Daher besuchten wir nach einer Übernachtung in Priština Veľky Klíz, wo Zdena mit ihrer Kollegin Stefánia ein kleines Walderholungs- und Umweltbildungszentrum und die Betreuung eines Waldkindergartens initiiert hatte. Nähere Informationen zu dem Haus, das von Urlaubern auch für Übernachtungen gebucht werden kann, gibt es hier.

Gegen Abend erreichten wir in gut 1400m Höhe den Tagungsort, das Hotel Poľana. Es steht knapp unterhalb des Gipfels des gleichnamigen Bergs, einem erloschenen Vulkan. Von den slowakischen Forstfrauen wurden wir aufs herzlichste begrüßt und trotz Verständigungsschwierigkeiten in die abendlichen Diskussionen eingebunden. Es fand sich immer wieder jemand, der ins Deutsche oder Englische übersetzte, so dass wir das Wichtigste verstehen konnten.

Wie üblich hatten die Forstfrauen (viele mit Mann und Kindern) ein attraktives Programm zusammengestellt, das uns fachliche und landschaftliche Einblicke in die Slowakei ermöglichte.
Die Exkursionen zeigten uns verschiedene Bereiche rund um Banská Bystrica. Die etwa 47.000ha Waldfläche sind in 5 Forstbetriebsbezirke eingeteilt ist. Der Freitag führte uns in den Forstbezirk Poľana, wo wir zunächst eine Pflanzschule in 730m Höhe besuchten, die für den durch Kalamitätshiebe nach dem Sturm von 1996 gebeutelten Bergwald geeignetes Pflanzgut heranzieht (Schwerpunkt Fi, Ta, aber auch Bu, Ei, BAh).

Nicht weit war es von hier zum Rückhaltebecken Hriňov, das den Wasserlauf der Slatina aufstaut. In dem angeschlossenen Wasserwerk werden 260l Wasser/sec für etwa 80.000 Personen aufbereitet. Das größte Problem ist dabei der starke Eisengehalt des Wassers, der über mehrere Fällstufen ausgefiltert werden muß. Außerdem wird die hydroenergetische Energie durch zwei Wasserkraftwerke genutzt. Neben den Laborauswertungen gibt es als zusätzliche Kontrolle der Wasserqualität mehrere Bottiche und Teiche zur Fischaufzucht. Überzählige Fische werden verkauft.

Einen für uns ungewöhnlichen forstlichen Aspekt bot das Revier Viglaš, wo in einem gezäunten Wildgatter von etwa 22ha Hirsche zur Auswilderung in anderen Revieren herangezüchtet wurden. Für mich, die ich gerade erst aus der Mongolei zurückgekehrt war und dort ein menschenleeres, aber gleichzeitig leergeschossenes Land erlebt hatte (der chinesische Markt kauft alles), war es ein ermutigendes Erlebnis hier von reichen Wildbeständen zu hören. Wir hatten das Glück sogar die Winterhöhle eines Bären zu sehen, nur wenige Meter von einer Forststraße entfernt. Nach Aussage des Försters verließ der Bär die Höhle vorzeitig, wegen der Unruhe durch den Holzabtransport. Die fingerlangen Kletterspuren, die seine Krallen an den Bäumen hinterließen, waren beeindruckend.

Am Samstag wurden wir durch den streng geschützten gut 100ha großen Dobroč-Urwald geführt. Er gehört zu den ältesten Naturschutzgebieten der Slowakei und wird seit 1913 nicht mehr bewirtschaftet. Die ältesten Bäume befinden sich in der Zerfallsphase. Die Tanne wird hier bis zu 450 Jahre alt, die Fichte etwa 350 Jahre und die Buche ca. 250 Jahre. Die älteste „Dobroč“-Tanne brach 1964 zusammen und es ist nur noch der Stumpf zu sehen. Das Holzvolumen betrug damals 55fm, Höhe 56m.

Am Nachmittag besuchten wir noch das Forstfreilichtmuseum im Tal "Vydrovo" im Forstbetrieb Čierny Balog. Das Museum ist in der Slowakei das einzige seiner Art. Hier wird versucht, sowohl ökologische Zusammenhänge als auch technische Informationen über die Forstnutzung und Forstgeschichte zu verbinden. Die Kombination von Kunstobjekten aus Holz und Stein mit ausgestellten Forstmaschinen (Seilkran, Hubschrauber, Rückemaschinen) und Schaustücken zur Forstgeschichte (Kohlenmeiler, altes Forsthaus) ist bei den Slowaken ein beliebtes Ausflugsziel. Es waren zahlreiche Besucher anwesend. Einer der Initiatoren des Museums führte uns den ca. 4km langen Lehrpfad entlang. Überall waren Infotafeln mit Texten auf slowakisch und Englisch zu verschiedenen Themen angebracht. Für meinen Geschmack waren sie zu textlastig. Für die slowakischen Besucher schienen sie aber interessant zu sein, da z.T. Texte laut vorgelesen und den Kindern erklärt wurden. Zurück zum Bus in Čierny Balog ging es mit einer Dampf-Schmalspurbahn.

Am Sonntag vormittag wurde die geplante Excursion auf den Berg Poľana zugunsten einer kürzeren Wanderung zu einem kleinen, in der Nähe gelegenen Wasserfall abgesagt. Durch die starken Steigungen der Strecke erwies sich dieser "Spaziergang" als anstrengender, als wir erwartet hatten. Nach dem Mittag reisten alle Teilnehmerinnen ab.

Einen besonderen Höhepunkt stellte für Katharina und mich am Montag der Besuch der Hauptstadt Bratislava (früher Pressburg) dar. Dort nahm sich Anka Galičíová, die die Parks der Stadt verwaltet, die Zeit uns durch die Altstadt zu führen. Zunächst jedoch besuchte sie mit uns das Rathaus der Stadt im Primatialpalast, dem ehemaligen Sitz des Erzbischofs. Obwohl der Palast am Montag für Besucher geschlossen ist, führte uns Dr. Holčík, Vizebürgermeister der Stadt und Historiker, durch die wichtigsten Räume und gab uns in einer Privatführung tiefgreifende Einblicke in die Geschichte der Stadt und des Palastes. Dr. Holčík spricht neben anderen Sprachen auch hervorragend Deutsch. Abschließend besuchten wir mit Anka den St. Martinsdom, wo wir auf viele Spuren der deutschsprachigen Vergangenheit stießen. Obwohl Bratislava von außen betrachtet als eine Stadt der Plattenbauten erscheint, ist das historische Herz ausgesprochen liebevoll restauriert. Wir spürten den individuellen Charme der Stadt trotz des kurzen Aufenthalts.

Insgesamt muss ich sagen, dass die Slowakei durch ihre ausgesprochen EU-europäische Ausstrahlung besticht. Ich hatte das so noch nicht erwartet. Auch sind meine Bedenken, dass hier (wie in Russland) um des schnellen Geldes willen Raubbau am Wald betrieben würde, ausgeräumt. Das gleiche gilt für die Wildbewirtschaftung. Zu tief sind die Wurzeln der Forstwirtschaft in der Slowakei. Zu Recht ist man stolz auf diese lange Tradition in der immer wieder Menschen mit deutschen Wurzeln Bedeutendes erreichten.

Die deutschen und die slowakischen Forstfrauen betreiben einen regelmäßigen Austausch im Rahmen nationaler und internationaler Treffen. Ich hoffe dass der konstruktive Kontakt erhalten bleibt und ich bedanke mich für die überaus herzliche Gastfreundschaft.

Und hier sind ein paar Bilder:

"Vydrowská dolina" Tal

Kohlenmeiler
Kohlenmeiler

Wildschweine
Wildschweine

Eingang zum Erlebnispfad
Eingang zum Erlebnispfad

Kunst mit Steinen
Kunst mit Steinen

Dampflokfahrt
Dampflokfahrt

Weitere Bilder finden sich hier.


Birgit Kieker