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Slowakei 2008

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Jubiläum in der Slowakei

10 Jahre Forstfrauenverein

Herzliche Glückwünsche an die Kolleginnen aus der Slowakei und ein Dankeschön, dass sie immer wieder neue Impulse auch in der internationalen Zusammenarbeit geben.

Gruppenfoto

Teilnehmerinnen am 10. slowakischen Forstfrauentreffen

Zum 10-jährigen Jubiläum war unser Verein (mal wieder) eingeladen. Mein Vater und ich fuhren voller Vorfreude hin und wurden nicht enttäuscht. Das Programm war abwechslungsreich und sehr interessant.

 

Freitag 29.08.

Forstbezirk Zilina

Jagdschloß Kunerad

Zu Füßen des Schlosses gibt es ein Denkmal für Partisanenkämpfer, die hier im zweiten Weltkrieg ihr Leben ließen.

Das Jagdschloss selbst wurde 1904 während der östereichisch-ungarischen Monarchie von einem deutschen Adeligen gebaut. Immer wenn er zur Jagd ging, wurde eine weiße Fahne gehißt, die von allen umliegenden Hängen gesehen werden konnte. Zum Schloss gehörten mehrere Jagdhütten, die aber alle im zweiten Weltkrieg zerstört wurden. Zur Zeit gehört das Schloss einer Privatperson, die es aber trotz der Nähe zum Kurort Rajec Teplice nicht nutzt. Eine Renovierung wäre aufwändig und teuer, obwohl es sich auf lange Sicht wahrscheinlich rechnen würde.

Revier Strananka

Das Revier Str hat eine Größe von 950 ha und einen jährlichen Einschlag von 7500 fm pro Jahr. Der größte Teil der Holzernte erfolgt in Blender-Saumschlägen, wobei sich in der Naturverjüngung neben Buche und Fichte etwa 35% Tanne etablieren (sowie Birke, Kiefer, einige Edellaubhölzer und Lärche). Große Probleme gibt es mit Wildverbiß. Im Revier finden sich u.a. Rotwild, Schwarzwild, Rehwild, Bären und Luchse.

Blender-Saumschlag

Blender Saumschlag

Ceunsua´lne Spolocenstvo Rajec
Waldgenossenschaft Rajec

In der Slowakei gab es bis 1960 noch Gemeinschaftswälder, erst danach waren alle Wälder verstaatlicht. Nach der Wende und der Trennung von der Tschechischen Republik im Jahre xx begann die Rückgabe der Wälder an ihre Vorbesitzer, wobei pro Person bis zu 250 ha, maximal die ursprüngliche Besitzgröße, zurückgegeben wurden.

Heute gibt es neben den staatlichen wieder private und kommunale Wälder. Gesetzlich festgechrieben ist, dass die Waldbesitzer zur Pflege ihrer Wälder ausgebildete Förster heranziehen müssen. Jeder Förster darf maximal 2000 ha betreuen, dabei ist es egal, wie klein die Flächen sind. Die Bezahlung der Betreuung muß der Förster bei den einzelnen Waldbesitzern anfordern, eine Abrechnung über die regionalen Forstämter erfolgt nicht. Das komplizierte Abrechungsverfahren und die geringe Bezahlung geben jungen Förstern wenig Anreiz, sich in dieser Richtung selbstständig zu machen. Der Zusammenschuß mehrerer Kleinprivatwaldbesitzer zu Genossenschaften ist zwar möglich und würde auch finanziell unterstützt werden, allerdings haben die meisten Waldbesitzer große Vorbehalte und sind über Vorteile nicht ausreichend informiert. So sind in der Slowakei Waldgenossenschaften bisher die Ausnahme.

Die Waldgemeinschaft Rajec umfasst 1600 ha mit 75% Nadelholz, die 840 Mitgliedern gehören, wobei die größte Fläche etwa 250 ha, die kleinste nur 12 ha beträgt. Zu jedem Besitzer gehören flächenabhängig mehrere Stimmen, insgesamt sind es 2000 Stimmen.

Die Waldgenossenschaft beschäftigt 2 Förster, 13 Angestellte und 1 Forstamtsleiter. Jährlich werden 8000 fm geerntet und im eigenen Holzlager sortiert und für den Verkauf vorbereitet. Ein Teil des Holzes (2000 bid 2500 fm) wird im eigenen Sägewerk zu Bauschnittholz verarbeitet. Die Reste werden von einer ortsansässigen Firma zu Einmalpaletten verarbeitet, auf denen Plexiglascheiben ins Ausland verkauft werden. Die Abfälle werden an eine Firma verkauft, die Pellets für den Verkauf nach Österreich herstellt.

Waldgenossenschaft

Palettenbau bei der Waldgenossenschaft Rajec

Das Grundstück und die Gebäude gelangten im Zuge der Flächenrückgaben zur Waldgemeinschaft. Die Renovierung und Neuausstattung mit Maschinen aus Brno kostete 1Mio SKr.

Von dem Holz, das nicht im Sägewerk verarbeitet wird, wird ein großer teil nach Österreich, Polen und Tschechien verkauft. Probleme bereitet es, dass für alle Lieferungen sowohl aus dem Wald als auch an Kunden nur ein LKW zur Verfügung steht.

Zur Waldgenossenschaft gehört auch der Pflanzgarten Elhotná im Porubska dolina (Porubska Tal). Für den Verkauf werden dort 100.000 Fichten unf für den Eigenbedarf wetere 25.000 Fichten auf 2x2 verschult. Des weiteren werden Buche, Kiefer, Tanne, Lärche und Edellaubhölzer für den eigenen Bedarf angebaut, Bis auf die Lärchensaat stammt alles Saatgut aus eigenen, certifizierten Beständen. Verschult wird mit Maschinen.

Sulovske Skaly

Der Weg zu den Felsen von Sulovske wird zur Osterzeit als Kreuzweg genutzt. In regelmäßiigen Abständen sind entlang des steilen Aufstiegs überdachte Kreuzwegsstationen aufgebaut. In der Nähe des Gipfels sind ein Altar und einfachst, hölzerne Bänke für die Gottesdienste aufgestellt. Der Gipfel Rohacske sedlo liegt knapp darüber bei 692 mÜNN.

 

Samstag 30.08.

Forstbezirk Prievidza

Nitra-Quelle

Der Nitra ist der Nationalfluss der Slowakei. Seine Ufer sind nachweisich seit der Steinzeit besiedelt. Sogar Neanderthaler ließen sich bei Ausgrabungen feststellen(?). Alle Bäche des Forstbezirks Prievidza fließen in die Nitra, die insgesamt 250 km lang ist und dabei 918 Höhenmeter überwindet bevor sie in die Donau mündet. Das Wasser wird unter anderem als Trinkwasser und zur Energiegewinnung genutzt.

Forstbetieb Prievida

Der Forstbetrieb Prievidza bewirtschaftet 51.599 ha (davon ca. 19.000 ha Prinvatwald) und ist in 5 Forstverwaltungen unterteilt, die jeweils mehrere Reviere umfassen. Der Forstbetrieb reicht über eine Länge von 120 km durch 8 Landkreise von Piestany bis nach Prievidza. Jährlich werden etwa 150.000 fm Holz genutzt, wovon ein großer Teil auf Durchforstungen von 950 ha/a junger (bis 50 Jahre) und 850 ha/a mittelalter (über 50 Jahre) Bestände entfällt. Hohe Kosten entstehen insbesondere bei Läuterungen auf ca 900 ha/a und bei Verjüngungsmaßnahmen von ca 150 ha/a (dabei etwa 51% durch Naturverjüngung).

60-65% der Wälder sind Laubholzmischbestände mit Buche, Eiche, Zerreiche, Hainbuche und anderen Edellaubhölzern. Der Forstbetrieb bewirtschaftet naturnah nach ProSilva-Maßstäben und ist überwiegnd PEFC-zertifiziert, wobei zwei Reviere das FSC-Gütesiegel erworben haben. Mehrere Reviere sind Vorführbetriebe und führen auch Schulungen durch. Borkenkäfer sind kein Problem, aber Verbiss- und Schälschäden überwiegend durch Rotwild.

Die Wälder des Forstbetriebes Prievidza gehören zu 3 Jagdrevieren, wovon eines der Zucht und besonderen Pflege von Schwarz- und Rotwild dient.

Wintergatter

Im Revier Grenica wurde 2006, nach mehreren besonders harten Wintern, der natürliche Wintereinstand des Rotwildes auf 12 ha gezäunt und mit Fütterungseinrichtungen versehen. An zwei Stellen dieses genehmigungspflichtigen Wintergatters wurden Einsprüge gebaut, die es dem Wild erlauben in das Gatter hinein-, aber nicht wieder heraus zu springen. Das Wintergatter kann bis zu 100 Stück Rotwild aufnehmen. Um die Tiere vor Bären, Luchsen und Wölfen zu schützen, ist es von außen zusätzlich mit einem Elektrozaun versehen.

Das Gatter wird genutzt, um das Rotwild am Schälen der Bäume zu hindern, aber auch um die Qualität der Trophäen zu beeinflussen und um das Rotwild an Tiere aus Polana (s.Slowakei 2006) zu gewöhnen und so den Genpool zu verbessern.

Die Erstellung des Wintergatters kostete etwa 1 Mio SKr, der Unterhalt jährlich etwa 300-500 Tsd SKr. Kritik gab es von einigen Forstfrauen an den mangelnden gesetzlichen Regelungen für solche Gatter.

Das Wintergatter gehört zu einem Jagdrevier von 8700 ha, das überwiegend in staatlichen Wäldern liegt. Es gibt dort wenig Reh- und Schwarzwild, viel Rotwild und 6-7 Bären. Der Abschuß liegt bei etwa 100 Stück Rotwild (davon 32-34 Hirsche) und einem Bären jährlich. Stolz ist man auf die 2007 errungenen Trophähen: 1 Goldmedalillie mit 211 int. Punkten, 4 Silbermedaillien und 7 Bronzemedaillien.

Tuzina (Schmiedshau)

Die Bevölkerung der Siedlung Tuzina bestand bis nach dem Prager Frühling zu 95% aus Deutschen, die um 1968 verstärkt in die BRD aussiedelten, so dass jetzt nur noch etwa 5% deutschstämmige Bürger übrig sind. Im 15. und 16. Jahrhundert waren sie als Bergarbeiter in die Slowakei gekommen und hatten Gold und andere Rohstoffe gefördert. Später kamen handwerkliche Berufe dazu.

Im Dorf wurde 1749 eine Säule zur Verehrung der Muttergottes im Barockstil errichtet, die 1994-99 auf Initiative eines im WWII geflohenen Priesters renoviert wurde.

Als das Dorf wuchs, wurde eine größere Kirche notwendig. Im Jahre 1797 iniziierte ein Pfarer den Neubau. Erst im Jahr 1858 wurde eine Orgel eingebaut, die zur Zeit restauriert wird und voraussichtlich 2010 wieder eingeweiht werden kann. Der Pfarrer Jacob Bauer erreichte 1925, dass die Kirche innen mit Frescen im Barockstil geschmückt wurde, die 2002 komplet erneuert wurden. Viele der Bilder im Kirchenschiff tragen noch heute deutsche Bildunterschriften oder Widmungen.

Cicmany

Das Dorf Cicmany ist ein Kulturdenkmal nicht weit von Rajeca Lesna, wo wir untergebracht waren. Es besteht zum großen Teil aus alten, mit verschiedenen Symbolen bemalten Holzhäusern. In zwei Häusern ist ein Heimatmuseum untergebracht, das das einfache Leben der Bevölkerung darstellt, von denen viele wegen der großen Armut nach Amerika auswanderten.

In den 20-er Jahren brannte ein großer Teil Cicmanys ab, wurde aber mit Hilfe des Deenkmalschutzes in seiner ursprünglichen holzbauweise wieder hergestellt.

Revier Ribna

Am späten Nachmittag führte uns eine letzte Wanderung durch das Revier Ribna, das von 507 müNN bis zum Gipfel des Klack mit 1351 müNN reicht. Die Kalksteinstandorte sind überwiegend mit Buchen-Fichten-Tannen-Bergwäldern bestockt, von denen 16% Schutzwälder und daher von der Bewirtschaftung ausgenommen sind. Das Revier ist 880 ha groß und bis auf 130 ha noch nicht zurückgegebener Fläche rein staatlich. Jagdlich werden pro Jahr 80 Stück Rotwild, 5 Bären und 15 Wölfe erlegt. Auf der Wanderung über einen niedrigen Pass zu unserer Unterkunft in Rajeca Lesna (Frivald) fanden wir auf dem Weg eine junge, kaum 10 cm lange Kreuzotter. Auf der Passhöhe waren einige Schäden durch Windwurf zu sehen und uns wurde erklärt, dass alle Gipfel der umliegenden Berge wegen des urspünglich hohen Anteils deutschstämmiger Bürger auch heute noch deutsche Namen hätten.

 

Sonntag 31.08.

Slowakisches Bethlehem

Rajeca Lesna (Frivald) ist ein Wallfahrtort mit einer heilkräftigen Quelle und starker Marienverehrung. In einem Gebäude neben der Kirche ist das Slowakische Bethlehem untergebracht, die größte Holzschnitzarbeit der Welt. Das Kunstwerk ist eine dreidimensionale 8,5x3x2,5 m große Schnitzarbeit mit beweglichen Figuren. Im Mittelpunkt steht die adventliche Krippe, umgeben vom Leben und Arbeiten der slowakischen Bevölkerung. In dem Kunstwerk sind zahlreiche slowakische Sehenswürdigkeiten, sowie Traditionen in Handwerk und Leben, die langsam in Vergessenheit geraten. Das Werk ist eine Liebeserklärung an die Heimat und Lebenswerk des Schnitzers Jozef Pekara. Es wurde erst im November 1955 öffentlich eingeweiht, zieht aber mittlerweile viele Besucher an.

Slowakisches Bethlehem

Ausschnitt aus dem slowakischen Bethlehem

An Zdena und die anderen Forstfrauen: Dakujem vel'mi pekne.

Dovidenia

Katharina Kolata und Ernst Gerlach