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Forstfrauentreff - Kaffeeklatsch der Waldmamis?

Protokoll zum 14. bundesweiten Forstfrauentreffen in Ehrhorn
20. - 23. Oktober 2000

Ende Oktober lud der Verein Frauen im Forstbereich e.V. nach Wintermoor (Lüneburger Heide / Niedersachsen) zum 14. bundesweiten Treffen von Forstfrauen ein. Das dichte Programm beinhaltete Vorträge zum Berufsimage der Förster/innen, zur forstlichen Öffentlichkeitsarbeit, zum Beruf "PEFC-Zertifizierungsgutachter/in, sowie die Exkursion zum Walderlebniszentrum Ehrhorn Nr. 1.
21 Försterinnen, die z.T. mit Familie und Hund angereist waren, nahmen das Angebot wahr sich fachlich fortzubilden und engagiert auszutauschen. Für die Teilnahme war keine Mitgliedschaft erforderlich. Das nächste Treffen wird 2001 in Lohr stattfinden.

Teilnehmerinnen

Den Auftakt des Programms bildete die Exkursion zu dem Walderlebniszentrum Ehrhorn Nr.1. Dieses ist dem Niedersächsischen Forstamt Sellhorn angegliedert, wurde zu 10% von der EXPO finanziert und verfügt über eine Hackschnitzelheizung. Ein ehemaliges, inzwischen 350 Jahre altes Heidebauernhaus "erzählt" mit seiner ansprechenden Ausstellung wie die Menschen, mit ihrer Art zu wirtschaften, die sie umgebende Landschaft beeinflußten. Die Bauern zerstörten sich durch Übernutzung ihre eigene Lebensgrundlage. Die Zerstörung durchlief vereinfacht folgende Stufen: Durch Beweidung entwickelte sich der Wald zum Hutewald. Durch Übernutzung wich dieser der Feldwirtschaft. Infolge des Nährstoffentzuges und der Bodenversauerung mußten die Äcker mit Laub- und Nadelstreu, bzw. als der Wald verschwunden war mit Heideplaggen, gedüngt werden. Bald konnte sich auch die widerstandsfähige Heide nicht mehr schnell genug regenerieren und wurde von Sand überdeckt. Relikte sind heute noch vorhanden, z.B. die Ehrhorner Dünen. Folglich "liefen" die Menschen mit ihrer Art zu wirtschaften auf "Sand". Der Sand bedeutete das Ende. Schließlich kaufte die Staatsforstverwaltung den Ehrhorner Bauern Grund und Boden ab und begründete Kiefern-Kulturen. Diese Aufforstungen, freigehaltenen Heideflächen und ein Arboretum können auf Rundwegen durchwandert werden.

Die 1. Vorsitzende, Antje Feldhusen, berichtete über das im Sommer statt gefundene internationale Forstfrauen Treffen in Deutschland. Försterinnen aus der Slowakei, Polen, Letland, Estland, Norwegen und Schweden tauschten sich mit den niedersächsischen Kolleginnen aus (Anmerkung: Bericht folgt). Dieses Treffen kam über private Kontakte zustande. Die skandinavischen Teilnehmerinnen standen dem waldbaulichen Vorgehen von Buchen-Voranbauten skeptisch gegenüber. Sie rieten zu einem "Clear-Cut". In Kleingruppen beim Lagerfeuer wurden in aller Ruhe waldbauliche Praktiken ausgetauscht und diskutiert. Interessant ist, daß in Estland und Letland rund 40% der Forstbediensteten Frauen sind und Schweden mit einer Landesforstchefin aufwartet. Am Ende konnte jede Försterin neue Ideen und Anregungen mitnehmen.

Eva Langenberg, Amtsleiterin (Amt für Naturschutz und Landschaftspflege des Wetteraukreises / Hessen), stellte die PR-Kampagne "Typisch Förster" des AKFB (Arbeitskreis Forstliches Berufsbild e.V.) und des Deutschen Forstvereins vor. Die 1983 in Freiburg gegründete Selbsthilfeorganisation AKFB informiert schwerpunktmäßig über ausgeschriebene Stellen und bietet berufliche Fort- und Weiterbildungskurse z.B. Forst-Englisch und Forst-Französisch an. Die 16-seitige Broschüre stellt mit knappen Worten Förster und Försterinnen vor, die jenseits der Beamtenlaufbahn in "forstlichen" Berufen arbeiten:
Bereichsleiter, Consultant, Amtsleiter(in), Pressesprecher(in)...
Ziel der Kampagne ist es Personalchefs größerer Konzerne auf den Tausendsasser "Förster/Försterin" aufmerksam zu machen und das alte Klischee "Hund und Gewehr" zu ersetzen. Berufseinsteiger kann die Broschüre motivieren nach neuen Ufern zu streben. Gleichfalls kann sie einer Bewerbung beigelegt werden. Diskutiert wurde in diesem Zusammenhang das ebenfalls das in den Köpfen verankerte zwei Klassen-Denken zwischen Uni- und FH-Förstern. Es liegt wohl an uns, der jetzigen Generation, dieses antiquierte Standesdenken zu knicken: knick-knack!

Auf dem "Markt der Möglichkeiten", der Infomaterial der verschiedenen Landesforstverwaltungen präsentierte, fand der Austausch über Waldpädagogik und forstliche Öffentlichkeitsarbeit statt. Anregungen aus der Praxis, Literaturhinweise sowie Mut die eigene Kreativität zu entfalten wurden umfangreich dargestellt.

Alle wollen heutzutage ein Zertifikat, doch wie nachhaltig ist eigentlich der "Job" einer Zertifizierungsgutachterin und derer männlichen Kollegen? Eva Schloßmacher aus Göttingen berichtete dazu aus der Praxis. Derzeit läuft die heiße Phase im Kampf um die "Kunden" zwischen dem FSC (Forest Stewardship Council) und dem PEFC, aber auch unter den Zertifizierungsgutachtern, die ihrerseits auch zertifiziert sein müssen.
Die Wälder Hamburgs, Schleswig-Holsteins und Saarlands tragen das "FSC" - Gütesiegel. Bayern, Baden Württemberg, Thüringen und Niedersachsen hingegen liessen sich ihre Wälder mit dem Pan-europäischen Zertifikat (PEFC) zertifizieren. Den Ursprung von Zertifikaten bzw. Normen bildet die konkrete Planung von Qualität unter der ökonomischen Betrachtung, daß Fehlervermeidung kostengünstiger ist als Fehlerbeseitigung.

Das Arbeitsfeld "PEFC-Zertifizierung" ist in festen Händen: verschiedene Firmen bzw. Gesellschaften, die wiederum von einer übergeordneten Organisation überwacht und akkreditiert (d.h. als fähig beurteilt) werden, geben in Werkverträgen z.B. die Zertifizierung einer Landesforstverwaltung an selbständige AuditorenInnen ab. Um als AuditorIn arbeiten zu können muß neben einem abgeschlossenem Hochschulstudium und mindestens 2-jähriger Berufserfahrung im Bereich Zertifizierung die Akkreditierung als PEFC-ZertifizierIn nachgewiesen werden.
Problematisch ist die finanzielle Gebundenheit an den Kunden: Ein Folgeauftrag kann nur erfolgen, wenn der Kunde zufrieden ist, d.h. wenn er das gewünschte Zertifikat erhalten hat. Dies ist jedoch in einigen Fällen nur mit Vorbehalt möglich.
Für Neueinsteiger in dieser Berufssparte ist der Zug jedoch schon abgefahren: bundesweit sind die Wälder schon alle zertifiziert bzw. die AuditorInnen haben "schon ihre Hände darauf".

Ein Zertifikat, welches dem Kunden Sicherheit und kontinuierliche Verbesserungen im Unternehmen bzgl. Arbeitsicherheit und Umweltaspekten garantiert, ist kostspielig für den Auftaggeber. Es verschafft keine Preisvorteile, sondern dient einzig der Markerhaltung.
Bezüglich des genauen Ablaufs einer regionalen Zertifizierung sei auf den Artikel "PEFC-Zertifizierung läuft an" von Michael Lammertz aus Rheinbach (AFZ / Der Wald 10/2000 Seite 556ff) verwiesen.

Für die Organisation, Verpflegung und Moderation gilt FI-in Gabriela Hülse unser aller Dank! Dank auch an die Väter, die die Kinder ausgezeichnet betreuten!

Alle neugierig gewordenen Försterinnen sind für 2001 schon an dieser Stelle herzlich nach Lohr eingeladen.

(geschrieben von Barbara Posch)