Sie befinden sich hier:  

Bundesweit

2003 Ludwigstein

AktuellesUnser VereinBundesweitInternationalWir FrauenAnsprechpartner  KontaktImpressum
Bundesweit

Bericht zum 17. Bundesforstfrauentreffen

auf Burg Ludwigstein bei Witzenhausen vom 16. - 19. Oktober 2003

Auf Einladung der Ländergruppe Niedersachsen des Vereins "Frauen im Forstbereich" versammelten sich 40 Frauen auf Burg Ludwigstein bei Kassel / Witzenhausen zum 17. Bundesforstfrauentreffen.

Exkursionen zu den forstlichen Fakultäten in Göttingen und eine Serie von vier Vorträgen aus der Forschung und Praxis beleuchteten beispielhaft den Werdegang von Frauen im Forstbereich vom Zeitpunkt der Entstehung ihres Berufswunsches bis zum Arrangement ihres Platzes in der Arbeitswelt. Eine Feier zum 10- jährigen Bestehens des Vereins "Frauen im Forstbereich" lockerte die anspruchsvolle und ernüchternde Tagung auf.

Gender Mainstreaming in forstlicher Forschung und Lehre

Besuche bei der Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie der Georg-August Universität (nachfolgend: Forstfakultät) und der Fakultät Ressourcenmanagement der Fachhochschule Holzminden / Hildesheim / Göttingen Fachhochschule (nachfolgend: FH) in Göttingen sollten zeigen, wie sich die forstlichen Studiengänge in Hinsicht auf "gender mainstreaming" entwickelt haben. Während das Dekanat der Forstfakultät vor allem die Krisensituation aller deutschsprachigen Forst-Fakultäten und die eigene finanzielle Misere beschrieb, stellte das Dekanat FH seinen progressiven Umgang mit dieser Krise vor. Ergebnisse dieses Entwicklungswillens sind die neuen Studiengänge Arboristik und Regionalmanagement, sowie wohl auch der ehrenvolle 4. Platz der FH auf der bundesweiten Liste des "Grundzeugnisses für familiengerechte Hochschule".

Aktuelle auswertbare Statistiken und Analysen über Zahlen und Positionen von Frauen und Männern an den Fakultäten, sowie über den Verbleib der Absolventen und Absolventinnen lagen zum Zeitpunkt des Besuchs kaum vor. Genannt wurden die seit Jahren fast stabilen Werte von etwa 30% Studentinnen und Absolventinnen sowie von drei Professorinnen neben 23 Professoren an der Universität und einem nicht näher definierten Frauenanteil an der Fachhochschule von ca. 20%.

Akteurinnen im Wald

Eine detaillierte Verbleibanalyse der Forst-Absolventinnen der Göttinger FH, durchgeführt von Sigrid Schmaltz, erreichte fast 80 % der Frauen seit 1974, dem Gründungsjahr der Fachhochschule. Die Ergebnisse der quantitativen Analyse wurden gründlich debattiert. Zwei Zahlen seien beispielhaft genannt: Etwa 50 % der Absolventinnen des Diplom-Forsting.-Studienganges aus Göttingen arbeiten heute im Forstbereich. 2002 wurden in Niedersachsen acht von 535 Revieren von Frauen geleitet.

Ebenso heiß diskutiert wurde die soziologische Studie im Rahmen der Frauen- und Geschlechterforschung von Dr. Christine Katz und Marion Mayer von der Uni Lüneburg zu "Akteurinnen im Wald".

Die qualitative Untersuchung beschreibt unter anderem die Belegung der scheinbar neutralen Begriffe wie "Wald", "Jagd"oder "Waldpädagogik" mit durchaus drastisch geschlechter-orientierter Symbolik (zum Beispiel wird Jagd landläufig als Männerarbeit verstanden; Umwelterziehung & Waldpädagogik sind, relativ zumindest, Frauensache) sowie die reellen Auswirkungen dieser Zuordnung auf die aktuelle Arbeitswelt im Forstbereich: Zwar wird zunehmend (wohl auch, weil das zur Zeit als politisch korrekt gilt) ein steigender Frauenanteil im Forstberufen befürwortet, häufig werden den dort tätigen Frauen aber zugleich stereotype Eigenschaften zugewiesen, wie zum Beispiel: "die Frau ist mutig und clever", anstatt ihre Kompetenz und Professionalität anzuerkennen, wie es wahrscheinlich bei ihrem Kollegen der Fall wäre.

  • Eben erreicht mich die Information, dass M. Mayer und C. Katz einen Artikel veröffentlicht,der sich mit dem selben Thema befasst wie ihr Vortrag beim Bundestreffen.Erschienen ist der Artikel "Neues von Robin Wood? Geschlechterimplikationen im Handlungsfeld Wald"im Buch "Zwischentöne gestalten: Dialoge zur Verbindung von Geschlechterverhältnissen undNachhaltigkeit" herausgegeben von Sabine Hofmeister, Tanja Mölders und Maria-Eleonora Karstenim Kleine Verlag (Wissenschaftliche Reihe, Band 150, S. 113-131).
    ISBN 3-89370-382-9, 19,90 EUR

In den Diskussionen, die sich auch an die von Dr. Vera Gröger dargestellte geschichtliche Entwicklung der Rolle der Waldarbeiterinnen in deutschen Forstbetrieben (s.a. AFZ 26/1998) entzündete, wurde deutlich, daß Zuweisungsprozesse mit der Folge der "marginalisierenden Integration" (einer ausschließende Eingrenzung) erfolgen, wenn Frauen in Forst-Domänen eindringen. Beispielhaft sei die zunehmender Popularität der Waldpädagogik genannt, die ein Tätigkeitsfeld eröffnete, in dem auffallend viele Frauen beschäftigt sind, gleichzeitig jedoch kaum Möglichkeiten zur wirtschaftlichen Existenzgründung bietet. Parallel dazu läßt sich auch an verschiedenen Beispielen wie "nach der Wende" erkennen, dass dann, wenn ein massiver Stellenabbau für nötig erachtet wird, häufig zunächst im (saisonalen) Arbeitsfeld der (nicht ausgebildeten,) rangniederen Positionen wie der der Waldarbeiterinnen oder in dem von "Randaufgaben" wie der Umweltbildung reduziert wird.

Frische Luft

Susanne Hoffmann, in Personalunion Revierleiterin auf 600 ha und Betriebsleiterin von 2.700 ha des Stadtforstamts Hannoversch Münden, zeigte auf einer Exkursion in das Revier Hedemünden eindrücklich, wie gut Forstfrauen "ihren Mann stehen" und multi-tasking beherrschen, auch oder grade dann wenn sonst vor allem finanziell "Not am Mann" besteht.

Abschließend, wie zur Ermunterung für die Zukunft, gab Diplomvolkswirtin Gabriele Hennemuth von "START", einem Projekt zur Existenzgründung, (unterstützt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung) eine Einführung zu Aspekten der beruflichen Selbstständigkeit wie Finanzierungsmöglichkeiten, Rechtsformen und die Notwendigkeit der intensiven Auseinandersetzung mit der Geschäftsidee.

Quintessenz für die Teilnehmerinnen des 17. Bundesforstfrauentreffens

Die Intervalle zwischen den Forstreformen werden immer kürzer und im Zuge der Rationalisierungsmaßnahmen im Forstbereich hat der öffentliche Dienst schon lange als Hauptarbeitgeber für Forststudierende ausgedient. Neue Berufsfelder werden er- und wieder geschlossen. Grade Forstfrauen sollten frühzeitig darauf achten, dass der raue Wind am Waldrand sie nicht vorzeitig aus dem Rennen schlägt. Lobbyarbeit ist angemessen, wenn Forstfrauen sich nicht auf dem Parkplatz beim Arbeitsamt wiedertreffen wollen. Netzwerke wie der Verein "Frauen im Forstbereich" können nicht nur tröstlich, sondern auch nützlich sein.

von Marion Karmann