Das 19. Bundestreffen vom 16.-18. September in Feldberg bei Neustrelitz
Im Osten viel Neues
Katharina Kolata, Bockenem
Der Einladung zum 19. Bundestreffen des Vereins Frauen im Forstbereich e.V. in Feldberg bei Neustrelitz folgten zwanzig Forstfrauen. Ihnen bot sich ein abwechslungsreiches Programm in einer der schönsten Landschaften Deutschlands.
Zum 19. Mal lud der Verein Frauen im Forstbereich zu einem bundesweiten Treffen ein. Diesmal trafen sich die zwanzig angereisten Forstfrauen, die nur zum Teil Vereinsmitglieder waren, vom 16. bis zum 18. September in Feldberg bei Neustrelitz. Wegen der landschaftlichen Schönheit des Naturparks Feldberger Seenlandschaft und des Müritz-Nationalparks reisten neun Teilnehmerinnen schon am Donnerstag zu einem rundum gelungenen Wochenende an. Sogar das Wetter spielte mit. Bis auf den Regen am Freitag strahlte der Himmel in spätherbstlicher Postkartenschönheit.
Siedlungsgeschichte
Der Freitag Vormittag stand ganz im Zeichen der Vergangenheit. Bei einem Besuch im Nachbau eines Slawendorfs am Zierker See direkt in Neustrelitz, informierten sich die Frauen über das harte Alltagsleben der Menschen, die das Land urbar machten.
Bei den Slawen handelt es sich um indo-europäische Völkergruppen, die ursprünglich im Gebiet der Pripjetsümpfe am Oberlauf des Dnepr und seiner Nebenflüsse wohnten. Die heutigen Nachfahren der Slawen sind u.a. Russen, Polen, Tschechen, Slowaken, Serben, Kroaten, Slowenen, Ukrainer, Weißrussen und Sorben.
Die ursprünglich im Norden Europas beheimatet Germanen drangen bis 1000 v. Chr. fächerförmig nach Süden vor und besiedelten den Raum zwischen Nord -u. Ostsee, Rhein, Donau und Weichsel. Erst im Jahre 375 n. Chr. verdrängten die aus Innerasien auftauchenden Hunnen viele germanische Stämme aus ihren Siedlungsgebieten. Insbesondere die Stämme im Osten (Wandalen, Ost - u. Westgoten) gaben ihre Heimat völlig auf. Nach dem Tod Attilas 452 zerfiel das Reich der Hunnen und sie zogen sich in die Ebenen Russlands zurück. So war die Region des heutigen Mecklenburg-Vorpommerns nahezu unbesiedelt.
In die freien Räume stießen ab dem 6. Jahrhundert slawische Stämme vor. Ihre typischen Siedlungsformen waren die überwiegend in Gewässernähe gelegen Siedlungskammern mit 10 bis 20 einzelnen Siedlungsplätzen.
Mit dem Fall Arkonas im Jahre 1168 und der Unterwerfung der Ranen - dem letzten selbständigen slawischen Stamm - durch die Dänen endete die slawische Siedlungsphase in der Region Mecklenburg-Vorpommern. Ab dem Jahre 1236 setzte die systematische Zuwanderung deutscher Siedler in die genannten Gebiete ein. Dieser Prozess verlief regional mit unterschiedlichem Tempo und nicht immer unkompliziert.
In dem von einer Palisadenwand umschlossenen Museum zum Anfassen konnten sich die Forstfrauen nach der Führung in den vorgestellten Handwerken ausprobieren. Es war möglich Nägel zu schmieden, Speckstein zu schneiden, Kerzen zu ziehen, zu weben oder zu töpfern.
Naturschutzgebiet Serrahn
Am Nachmittag führte Revierförster Pauli die Teilnehmerinnen durch das Naturschutzgebiet Serrahn.
Das Teilgebiet Serrahn umfaßt die Hauptendmoräne des Pommerschen Stadiums sowie ihr Vor- und Hinterland in einem ca. 12 km langen Abschnitt. Durch die relativ steilen Anstiege (Höhen bis 142 m ü. NN) war die Endmoräne als ackerbauliche Nutzfläche wenig geeignet. So hat sich der typische Charakter der Moränenlandschaft bis heute erhalten. Die sandigen Böden Serrahns waren seit vielen Jahrhunderten mehr oder weniger bewaldet. Durch die Jagdleidenschaft der Mecklenburg-Strelitzer Großherzöge blieben die Wälder lange Zeit nahezu unangetastet. Das dadurch entstandene wertvolle Gebiet wurde am 28.02.1952 offiziell zum Naturschutzgebiet erklärt. Das schon vorher nahezu ungenutzte Kerngebiet wurde seither gar nicht mehr bewirtschaftet. Nur an den Naturerlebnispfaden wie z.B. "Der lange Weg zum Urwald", auf dem auch die Forstfrauen geführt wurden, wurden Pflegemaßnahmen durchgeführt, um den Besuchern größtmögliche Sicherheit zu bieten. Da wurde schon mal ein Weg umgelegt, weil einige Bäume in ihrer Zerfallsphase zu gefährlich geworden waren. Die abwechslungsreiche Route führte die Forstfrauen durch eine einzigartige Waldwildnis, vorbei an einem verlandenden See mit einer Aussichtsplattform von der See- und Fischadler, Kranische, Raben und viele andere Vögel und Tiere beobachtet werden können, wenn sich nicht grade eine diskussionsfreudigen Gruppe dort aufhält. Entlang des Weges gab es auch einige forstpädagogische Spielgeräte, die neue Blickwinkel auf den Wald ermöglichten. Außerdem führte er an den Resten der ehemaligen Siedlung Serrahn vorbei.
In der Nationalpark-Information Serrahn besuchten die Forstfrauen noch zwei sehr informative Ausstellungen. Unter dem Motto "Serrahner Waldgeschichten" wurde das Territorium in seiner Entwicklung vom großherzoglichen Jagdgebiet bis hin zu den Forschungsaktivitäten zu DDR-Zeiten beleuchtet. Die zweite Schau trägt den Namen "Naturschutz im Rahmen des Kulturbundes der DDR" und wurde vom Naturschutzbund (NABU) Mecklenburg-Strelitz zusammengestellt.
Gender-Projekt und Entwicklungsarbeit
Bis zum Abendessen trafen auch die restlichen Teilnehmerinnen ein, so dass pünktlich mit den Vorträgen begonnen werden konnte. Nach kurzer Vorstellungsrunde hielten Dr. Christine Katz und Marion Meyer von der Universität Lüneburg einen Vortrag zu ihrem neuen Forschungsprojekt "Waldwissen und Naturerfahrungen auf dem Prüfstand: Gender-Analyse in der Waldbildungs-, Öffentlichkeits- und Informationsarbeit".
Bei dieser Studie stehen die Organisation und die Prozesse in der Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit der Landesforstverwaltungen im Mittelpunkt. Sie versucht Möglichkeiten zu erarbeiten, wie Bildungsarbeit geschlechterspezifisch, d.h. unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Lernweisen von Mädchen und Jungen, gestaltet werden kann. Dazu ist als erster Schritt eine Bestandsaufnahme notwendig mit der geklärt wird, in wie weit gender-geprägtes Lernverhalten bereits verwirklicht wird. Diese erste, sozialwissenschaftliche Erhebung erfolgt mit Hilfe von Fragebögen, Interviews und Workshops. In einer zweiten Phase sollen ca. 2-3 Landesforstverwaltungen eingehender untersucht werden. Die Frauen im Forstbereich e.V. sollen in allen Phasen in dieses Projekts als Expertinnen eingebunden werden.
Anschließend unterrichtete Bhavana Kaiser ihre Kolleginnen über ihre Tätigkeit als Entwicklungshelferin in Simbabwe und zeigte dabei ein halbstündiges Video. Ein Fernsehteam des ZDF hatte sie vom Verlassen ihres Reviers in Hessen bis nach Afrika begleitet.
Gender-Mainstreaming
Am Sonnabend ging es gleich nach dem Frühstück mit einem engen Zeitplan weiter. Dr. Christine Katz und Marion Meyer führten einen Workshop zum Thema Gender-Sensibilisierung durch, bei dem die Teilnehmerinnen entdeckten, wie viele genderspezifische Aspekte verschiedene Arbeitsfelder haben. Wichtig war den Vortragenden, dass Gender-Mainstreaming (GM) keine Frauenförderung ist, sondern sich mit beiden Geschlechtern und deren Interaktionen beschäftigt.
GM heißt, die Unterschiedlichkeit der Geschlechter wahrnehmen, anerkennen und so handeln, dass bei aller Unterschiedlichkeit eine größtmögliche Gerechtigkeit in allen beruflichen, sozialen, wirtschaftlichen und politischen Fragen entsteht. GM sollte als Querschnittspolitik zusätzlich zur Frauenförderung eingesetzt werden. GM sollte gleichberechtigt neben Sachgerechtigkeit, Machbarkeit und Kosten bei Planungen und Entscheidungen berücksichtigt werden.
Zur erfolgreichen Umsetzung der EU-rechtlich vorgeschriebenen Genderpolitik ist das "Top down"-Prinzip notwendig, d.h. Genderkompetenz muss in Führungsebenen entwickelt und von dort nach unten vermittelt und eingesetzt werden.
Zur Umsetzung von GM werden verschiedene Instrumente eingesetzt. Zum einen gibt es GIA (= Gender Impact Assessment), d.h. eine "Geschlechterverträglichkeitsprüfung", bei der die Genderrelevanz einer Maßnahme/einer Gesetzesvorlage geprüft wird. Checklisten, die systematisch abgehakt werden können, sind hierbei nicht nur ungeeignet, sondern kontraproduktiv. Geeignet ist z.B. die aus Schweden stammende 3 R-Methode. Dabei werden die Repräsentation von Frauen und Männern und deren Ressourcen ermittelt. Anschließend wird genauer betrachtet, unter welchen Voraussetzungen die Maßnahme umgesetzt werden kann (Realia).
Ein weiteres Instrument ist das Gender Training oder Gender Coaching, die als erste Maßnahme fachlicher Fortbildung gesehen werden können.
Heilige Hallen und Lütt Holthus
Am Nachmittag stand eine vom Revierförster a.D. Peter Lange geführte Wanderung in die Heiligen Hallen auf dem Programm. Im Jahre 1850 verfügte der Großherzog Georg von Mecklenburg-Strelitz, daß der damalige Buchenhallenbestand unter Schutz gestellt wurde. In seiner romantischen Vorstellung, die er in Gedichtform ausdrückte, verglich er den Buchenhallenbestand mit einem Gotteshaus. Der Schutz des 25 ha großen Bestandes wurde trotz aller Wirren und Unruhen in der Folgezeit nicht aufgehoben. Die bis zu 350 Jahre alten und mit bis zu 5,20 m Umfang und über 40 m hohen Buchen in ihrer Zerfallsphase räumen Jungbäumen den Platz, so dass nun ein stark strukturierter Buchenwald entdeckt werden kann. Leider war der einzige Wanderweg durch die Heiligen Hallen nicht mehr sicher, so daß die Forstfrauen mit Einblicken von einem Weg durch die 60 ha große Pufferzone vorlieb nehmen mußten.
Zum Abschluß besuchten die Forstfrauen das aus waldpädagogischer Sicht interessante Museum "Lütt Holthus". Es befindet sich im 1835 errichteten Marstall, neben dem bereits 1808 erbauten "Forsthof" Lüttenhagen. Revierförster Mahnke präsentierte den Forstfrauen Wissenswertes rund um den Wald und lud die Besucherinnen zum Riechen, Hören, Anfassen und Ausprobieren ein.
Mitgliederversammlung und Ausklang
Am Abend fand die Mitgliederversammlung des Vereins Frauen im Forstbereich e.V. statt. Nach langjähriger Tätigkeit legte die beliebte 1. Vorsitzende Antje Feldhusen ihr Amt nieder. Die neue 1. Vorsitzende wurde Birgit Homann. Ihren Posten als 2. Vorsitzende übernahm mit großer Zustimmung Sibylle Findel.
Am Sonntag berichtete Birgit Hohmann mit Hilfe einer Fotopräsentation von der internationalen Forstfrauen-Konferenz 2005 in Litauen, die sich von den bisherigen internationalen Forstfrauentreffen dadurch gravierend unterschied, daß eine große Zahl Männer teilnahm. Neben Prof. Lewark von der Universität Freiburg, der u.a. Genderstudien betreibt und einem türkischen Forstkollegen, der annahm, daß es sich um einen Kongreß für Forschende über "Frauen und Forstwirtschaft" handelte, kam auch eine belgische Waldbesitzer-Vereinigung. Die aufgetretenen Spannungen in der gemischten Gruppe führten zu einer Abstimmung der Forstfrauen, bei der mit einer Stimme Mehrheit entschieden wurde, dass bei künftigen Frauenkonferenzen auch Männer teilnehmen dürfen.
Zum Ausklang fand eine Lesung aus dem Erstlingsroman "Engels Freiheit" der Kassenwartin des Vereins Katharina Kolata statt. Zusammen mit der Schriftführerin Anke Waldmann schrieb sie einen historischen Roman über die Familiengeschichte der "Waldmanns" in Grambergen bei Osnabrück.
geschrieben von: Dr. rer. nat. Katharina Kolata, Kassenwartin des Vereins Frauen im Forstbereich e.V., Autorin und Mutter
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