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2007 Würzburg-Kist

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BundesForstfrauenTreffen vom 21.9. bis 23.9.2007 in Würzburg

Ilka Bockenheimer: Umsetzung Natura 2000 Europäisches Naturerbe in Bayern

Strategie der Bayerischen Staatsforsten zu FFHGebieten am Beispiel IrtenbergerGutenberger Wald im Stadtwald Würzburg. Die Bestände in FFHGebieten werden in Stufen A – B – C bewertet. Der Schwerpunkt ist WaldmeisterBuchenwald, Leitarten sind Bechsteinfledermaus, Hirschkäfer und Gelbbauchunke. Per Inventur werden Totholz stehend/liegend (4,6 Bäume/ha), Struktur und Biotopbäume (2 Stück/ha), sowie Altholz 100140 Jahre und älter (10%) ermittelt. An einem Beispielbestand wurde gezeigt, wie man ökologische Ziele erreichen kann, und wirtschaftlich sein kann.

Der „Bayerische Weg“ sieht einen runden Tisch vor, der Aufklärungs und Überzeugungsarbeit leistet, um die Waldbesitzer von den Maßnahmen in den Managementplänen zu den FFHGebieten zu begeistern. Die positive Kommunikation im Vorfeld und als flankierende Maßnahme ist entscheidend. So können mit den Waldbesitzern Vereinbarungen über die Zielsetzung in den einzelnen Beständen getroffen werden. Der Bestand ist Referenzobjekt, um die Ziele festzusetzen und die Zielerreichung zu überprüfen. Für mind. 6 Alt/Biotopbäume >50cm je ha können Fördermittel von Land und EU gezahlt werden. Die Ziele werden auf die Gesamtfläche umgerechnet, günstigere Flächen können mit ungünstigen verrechnet werden. Es gilt die Dynamik in der Waldentwicklung zu beachten: Potentiale in jüngeren Bereichen frühzeitig erkennen und fördern.

Biotopbäume sollten gekennzeichnet werden (analog den Auslesestämmen). Wo schon gehäuft Biotopbäume vorhanden sind, kann eine Anreicherung auch mit Totholz angestrebt werden (MethusalemProgramm) und Inselstrukturen entwickelt werden.

Die Verkehrssicherung hat Vorrang – das Totholz der gefällten Stämme verbleibt im Wald.

Auch in von Biotopbäumen geprägten Beständen ist genug Platz für ca. 50 Wertbäume, die den wirtschaftlichen Hauptertrag bringen. Ein Zielkonflikt gibt es dadurch, dass schlechtes, dickes Holz (PollmeierHolz) jetzt deutlich teurer geworden ist.

Markus Melber: Fledermausschutz im Wald, Habitate und Biologie der Fledermäuse

In allen Wäldern gibt es Fledermäuse, 26 Fledermausarten in Deutschland. Man sieht sie kaum, weil sie nachtaktiv sind. In Süddeutschland gibt es mehr Arten als in Norddeutschland. Ab Mitte Oktober bis Mitte März sind die Fledermäuse nicht im Wald, da sie ihren Winterschlaf in Kellern, Stollen und Kasematten, nur selten in Bäumen halten.

Welche Ansprüche haben Fledermäuse an den Wald?

Sie benötigen geeignete Höhlen für Wochenstubenkollonien der Weibchen, wo diese für 46 Wochen ihren Nachwuchs säugen. Im Wald lebende Arten benötigen Quartiere für den Tag. Die meisten Arten brauchen dafür Baumhöhlen. Die Quartiere werden häufig gewechselt, der Wechsel dient der Parasitenabwehr und der Temperaturregulation. Wenigere Arten sind Spaltenbewohner (z.B. die Mopsfledermaus), die unter abstehenden Rindenteilen von (abgestorbenen) Fichten und Eichen den Tag verbringen.

Die Jagdgebiete können mehrere Kilometer von den Tagesquartieren entfernt sein. Luftraumjäger fliegen sehr schnell, haben schmale Flügel, sind wenig wendig und brauchen Raum. Sie haben z.T. spezialisierte Beutetiere. CleanerArten nehmen Futter direkt vom Boden oder von Blättern auf.

Was können wir für die Federmäuse tun?
  • Quartiere erhalten und schützen (Quartierbäume sind für verschiedene Arten wie Siebenschläfer und Eremit wertvoll)
  • Totholz stehen lassen (hier entwickeln sich viele Beutetiere der Fledermäuse)
  • Balance finden zwischen Forstwirtschaft und Naturschutz
  • Den Einschlag auf die Winterruhe legen

Verkehrstrassen sind Barrieren für Amphibien und für Fledermäuse. Die Korridore der Fledermäuse liegen oft auf 24 m Höhe über dem Boden, wo sie durch vorbeifahrende Autos und Verwirbelungen beeinträchtigt werden. Fledermäuse fliegen weite Umwege, um Unterführungen zur Querung von Verkehrstrassen zu nutzen.    (Birgit Homann)

Samstag 22.September 2007: Exkursion in Ebrach, Revier Petra Diener

Petra gab uns am Treffpunkt in Ebrach eine kurze Einführung in die Region, als Anlass dafür gab es die im Hintergrund unseres Treffens liegende Jugendstrafanstalt in Ebrach, welche in einem sehr alten Gemäuer untergebracht ist, und daher uns sofort ins Auge fiel.

Erster Punkt: Es ging los in den nahe gelegenen Wald. Hier erklärte uns Petra, dass es momentan diskutiert wird, den Steigerwald zu einem Nationalpark auszuweisen. Dies wird sowohl politisch als auch in der Bevölkerung recht intensiv und kontrovers diskutiert. Wobei klar ist, dass die Bevölkerung keinen Nationalpark wünscht, die Politik allerdings schon.

Der Steigerwald ist ein 18tsd. ha großes und fast komplett zusammenhängendes Waldgebiet, was sich fast überwiegend in staatlicher Hand befindet. Er besteht zu 39% aus Buche, zu 19% aus Eiche zu 11% aus Edellaubhölzern und Weichlaubhölzern und zu 17% aus Kiefer. Die Fichte ist nur noch mit 9% vertreten. Wir haben es also hauptsächlich mit einem Buchenwald zu tun. Der Steigerwald, wie wir in heute vorfinden, hat sich so entwickeln können, weil es hier eine intensive jagdliche Nutzung gab, die sich durch eine sehr laubholzfreudliche Bewirtschaftungsweise auszeichnet. Dies führte dazu, dass sich hier standortgerechte naturgemäße Bestockung entwickeln konnte. Da dies in einer solchen Größe und sehr selten in Deutschland geworden ist, liegt es der Politik am Herzen dies zu einem Nationalpark zu machen.

Wir diskutierten hier sehr intensiv die verschiedensten Sichtweisen der anwesenden Forstfrauen. In diesem Zusammenhang erläuterte Petra auch noch, dass es in Bayern inzwischen eine Trennung von Bewirtschaftung, die immer noch den Förstern obliegt, und den Entscheidungen gibt, welche inzwischen die Politik trifft.

Zweiter Punkt: An dieser Stelle schauten wir uns ein ganz anderes Waldbild an, es handelt sich um ein Naturwaldreservat von ca. 100 ha umzäunter Fläche. Hier konnten wir uns von der Vielfalt der Flora und Fauna innerhalb eines Buchendominierten Waldstückes selber überzeugen. Es befinden sich nach der Forsteinrichtung 700 Fm Vorrat an lebendem Holz und 100 Fm Vorrat an Totholz auf dieser Fläche. Wobei ich sagen muss, dass die 700 Fm Vorrat so nicht unbedingt gleich ins Auge fielen.

Hier hatte Ilka als Information für uns einen Vergleich von 2 verschiedenen Flächen in 2 verschiedenen Forstämtern parat: bei der einen Fläche wurde das „schlechte“ rausgeholt und gezielt eine Förderung der Zukunftsbäume durchgeführt und bei der anderen Fläche wurden die schlechten einfach belassen. Hier zeigte sich in den Untersuchungen, dass bei der ersten Variante ca. nur 1/3 von der Artenvielfalt zu finden war, der auf der anderen Fläche auftrat. Davon konnten wir uns beim nächsten Punkt gleich direkt selbst überzeugen.

Dritter Punkt: Nun gab es etwas ganz Besonderes: hier lag ein zusammengebrochener Buchenstamm am Boden der einen sehr seltenen Käfer beherbergt hatte: den Eremiten oder auch Juchtenkäfer (bis zu 4cm groß). Da ich selber leider die Biologie dieses interessanten Käfers nicht mehr so parat hatte, habe ich es hier für Euch ein bisschen genauer zusammengetragen: Der Eremit benötigt für seine Entwicklung alte Bäume, die an einer Stelle eine Fäule beherbergen in der er sich ansiedeln und entwickeln kann, wobei hier die Größe der Faulhöhle entscheidender ist als die Baumart. Die Weibchen bringen einen Braunfäuleschimmelpilz mit, der die für diese Käferart so dringend notwendige Braunfäule auslöst, falls sie nicht bereits vorhanden ist. Er lebt in und von dem sich aus der Fäule und den Pilzen entwickelnden Mulm. Er besiedelt mit vorliebe derartige Höhlen in alten Bäumen meist in luftiger Höhe von 612m. Dies ist bei stehenden Bäumen so nicht zu erkennen. Daher ist es wichtig eventuell mögliche Brutbäume zu belassen. Sobald diese Bäume zusammenbrechen ist der Käfer zu konkurrenzschwach und wird sofort von anderen Tieren verdrängt. Durch seine geringe Flugdistanz (meist nicht mehr als 2km) hat er wenig Möglichkeiten sich großräumig zu verbreiten. Daher gilt er nach Roter Liste als stark gefährdet und profitiert von FFHGebieten und den Berner Konventionen, die grade Typen seines Lebensraumes unter Schutz stellen. Die Weibchen legen 20 bis 80 Eier in der Höhle ab, aus denen sich dann die Larven entwickeln. Diese verbringen 3 bis 4 Jahre damit sich zu entwickeln und verpuppen sich dann im Herbst um dann im April / Mai zu schlüpfen. Die männlichen Käfer leben nur 23 Wochen und die Weibchen bis zu 3 Monate. Die Flugzeit beginnt erst mir einer Temperatur von 25 °C. Meist verbringen die Tiere ihr ganzes Leben innerhalb nur einer Höhle und bewegen sich kaum fort, woher er auch seinen Namen hat. Die Populationsdichte regelt sich durch Kannibalismus, Krankheiten und ähnliches selbst.

Anschließend an eine kleine Wanderung, welche uns zum Auto zurückführte fuhren wir wieder ein Stück und es gab ein hervorragendes Mittagessen in einem ziemlich speziellen Rasthaus.

Hier möchte ich meine Ausführungen über diesen Tag beenden, da ich den Nachmittag, welche aus einer Wanderung bestand die uns verschiedene Ansichten eines Künstlers im Wald aufzeigte, nicht so beschreiben kann wie es passend wäre, da er für jeden denke ich andere Eindrücke parat hielt und es jedem selber überlassen sein sollte dies in seinem Gedächtnis zu bewahren. Nur eine Kurze Anmerkung für den Interessierten: ein niederländischer Künstler Hermann de Vries hat hier seine Wahlheimat gefunden und hat dem Steigerwald ein paar Geschenke („Wortfragmente“) an Plätzen hinterlassen, die für ihn von besonderer Bedeutung waren. Es war ein wundervoller Einblick in die Betrachtungsweise eines anderen Menschen, wie er den Steigerwald wahrgenommen hat.    (Sibylle Findel)

Sonntag Morgen im Sonnenschein auf einer Wiese

Wir begrüßen den Morgen. Kathrin Düser erzählt für uns ein Märchen aus Persien, in dem die Frau und ihre Lebensentwicklung (und die Liebe) beschrieben wird.

Maria Hehn und Astrid Kühnel, Institut für forstliche Arbeitswissenschaft in Freiburg, Forschungsprojekt Forstfrauen

Menschen haben eine Persönlichkeit, Organisationen, z. B. Forstverwaltungen, eine Organisationskultur. Wie werden die Funktionen an der Nahtstelle Verwaltung – Gesellschaft wahrgenommen? Gibt es besondere Merkmale, die die Verwaltungen hier auszeichnen? Wie sieht es in den Forstverwaltungen mit Geschlechtergerechtigkeit aus? Repräsentiert die Verwaltung die Gesellschaft für die sie tätig ist?

These: Die Abwesenheit von Frauen in der Verwaltung ist Ursache und Wirkung dafür, dass sie so ist wie sie ist.

Indikatoren für die Organisationskultur sind Vorschriften, Auswahllehrgänge, Beförderungsvorschriften, Ausbildungs und Zulassungsbestimmungen.
Beispiel: Höherer Dienst in BadenWürttemberg seit dem 2. Weltkrieg

  • a) Universität Freiburg: es gibt keinerlei Beschränkung für Frauen zu studieren
  • b)Referendariat: Voraussetzung bis Kriegsende war ein bestimmter militärischer Rang.
    Bis 1977 blieb das im Prinzip ähnlich wie im 3. Reich (Auswahllehrgang vor dem Studium mit Textformulierung, graphologischer Analyse, sportlichen Leistungen, körperlichen Kriterien, Einstellungszusage). Als Ergebnis stand am Ende „geeignet – weniger geeignet – gering geeignet“. In Praktika während des Studiums wurde auch das Verhalten außerhalb des Dienstes beurteilt. Erreichte man im Diplom/Vordiplom eine Mindestnote wurde man zum Referendariat zugelassen, an dessen Ende die Staatsprüfung steht.
  • c) Bewertungskriterien: Diese fokussieren sehr stark auf „Persönlichkeit und Charakter“. Kriterien wurden sehr schwammig formuliert und waren sehr interprätationsanfällig. Frauen wurden nicht zum Referendariat zugelassen, da sie nicht am Auswahllehrgang teilnehmen konnten (kein militärischer Rang). Der Abschluss an der Universität allein berechtigte nicht zur Berufsausübung.
  • d) 1977 wurde auf dem Klageweg eine Änderung der Vorschriften erzwungen. Der Gesetzgeber verlangte von nun an, dass nur die UniNoten Auswahlkriterium wurden. Es gab nun mehr Studierende, aber zunehmend weniger Stellen.
  • e) Heute wird nicht mehr „auf den Beruf hin studiert“; die Forstverwaltungen haben kein Arbeitgebermonopol mehr; das Berufsbild ist breiter und differenzierter geworden.

Die nächsten Projekte im Institut für Forstliche Arbeitswissenschaften werden sich mit Karriere und Berufsverläufen der Frauen in den Forstverwaltungen befassen. Hypothese: Frauen kommen (trotz besserer Noten) in der Karriereleiter deutlich langsamer voran.

Es werden „biographische Interviews“ geführt. Die Gruppe der „Göttinger Forstpionierinnen“, die in der Zeit des 2. Weltkrieges studiert haben und die Frauen, die in den 50-und 60-ger Jahren studiert haben („Nischenstrateginnen“) wurden bereits interviewt. Die nächste Gruppe, die ab Ende der 60ger Jahre studierte, hatte ein echtes Berufsziel, seit Ende der 70ger Jahre studierende auch eine echte Berufschance. Diese und auch jüngere Frauen sollen jetzt Fragebögen ausfüllen, mit Einzelnen sollen Interviews geführt werden. Für die Untersuchungen interessant sind besonders auch solche Frauen, die nicht oder nicht mehr in den Verwaltungen arbeiten.

(Birgit Homann)