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Forstfrauen in Berlin und Brandenburg

Katharina Kolata

Vom 16. bis 19. September trafen sich 24 hochmotivierte Forstfrauen zur 24. Bundesforstfrauentagung, die in Berlin und Brandenburg stattfand. Ein besonderer Schwerpunkt lag dabei auf der Rolle der Berliner Forsten als reiner Erholungswald. Vorträge und Exkursionen stießen auf reges Interesse. Die anschließenden Diskussionen waren stets lebhaft und gaben oft auch Anregungen für die Vortragenden. Da der Donnerstag und der Sonntag bewusst als Reisetage eingeplant waren, war das Programm an den beiden verbliebenen Tagen sehr stramm durchorganisiert.

Freitag

Die Berliner Forsten

Manchen mag es verwundern, aber 18% der Berliner Landesfläche sind tatsächlich Wald. Durch die besondere Situation der Stadt ist die Erholungsfunktion allen anderen übergeordnet, wodurch sich die Forstwirtschaft Berlins von der anderer Bundesländer stark unterscheidet. Das Forstamt Berlin, das es seit 101 Jahren gibt, ist der Stadtentwicklungsbehörde des Senats untergeordnet. Der erste Berliner Wald wurde zur Erholung der Bevölkerung auf ehemaligen Rieselfeldern gepflanzt, zu denen die Stadt noch 3000 ha Wald dazukaufte. Heute ist das Landesforstamt Berlin in vier Forstämter mit insgesamt 29 Revieren unterteilt. Zusätzlich gibt es ein Umweltbüro und sechs Waldschulen. Insgesamt beschäftigen die Berliner Forsten 230 aktive Mitarbeiter, die für 29.000 ha Wald zuständig sind (13.000 ha davon liegen in Brandenburg). Seit Ende der 90-er Jahre wird der Wald naturnah bewirtschaftet, und seit 2002 ist er FSC/Naturland-zertifiziert.

Eine besondere Herausforderung war das Zusammenwachsen von Ost und West nach der Wende.

Das Lehrkabinet Teufelssee

Das Lehrkabinet Teufelssee (Forstamt Köpenick) ist die älteste Umweltbildungseinrichtung in Berlin und erwuchs aus einem botanischen Lehrpfad und der Tatsache, dass das Teufelsmoor ein Ausflugsschwerpunkt der Berliner ist. Das Gebäude selbst gibt es seit 1972, aber es wurde mehrfach umgebaut bzw. abgerissen und neu errichtet. Im selben Gebäude befindet sich eine Waldschule mit privatem Betreiber. Das Angebot des Lehrkabinets richtet sich in erster Linie an ältere Kinder und Jugendliche, von denen jährlich ca. 15.000 betreut werden. Leider werden von Schulen mehr Eintagesprojekte angenommen, obwohl sich gezeigt hat, dass sich Projekte, die über mehrere Tage laufen, besonders für Problemschüler positiv auswirkten. Das Lehrkabinet leitet derzeit Herr Storbeck, der von zwei Mitarbeiterinnen unterstützt wird.

Waldbezogene Umweltbildung in Berlin

Da die Stadt Berlin kaum eigene Stellen für Waldpädagogen hat werden die Waldschulen als unabhängige Projekte geführt, die jährlich einen Zuschuss erhalten, der aber immer wieder auf dem Prüfstand steht. Da einige der Waldpädagogen keine forstliche Ausbildung haben, sollen sie demnächst in einem landeseigenen Lehrgang zertifiziert werden. Es gibt sechs Waldschulen in Berlin (Bogensee, Bucher Forst, Plänterwald, Teufelssee, Spandau, Zehlendorf). Ihr Angebot richtet sich in erster Linie an Schüler bis zur sechsten Klasse. Für ältere Kinder gibt es das Lehrkabinet Teufelssee und die Waldschule des SDW. Die Waldschulen werden von gemeinnützigen GmbHs getragen (Verein Jugend in Berliner Wäldern e.V. und INU gGmbH). Das Ziel ist, jedes Berliner Kind mindestens einmal während der ersten sechs Schuljahre in eine Waldschule zu bekommen. Daher sind die Waldschulen ab März geöffnet und beschulen pro Tag bis zu drei Klassen.

Für viele Kinder ist dies der erste Besuch in einem Wald überhaupt (statistisch jeder 5. Sechsjährige). Bei den Schulungen wird versucht, Natur- und Umweltbewusstsein zu wecken, das Sozialverhalten und das Denken in Zusammenhängen zu verbessern (Wald als Psycho-top), wobei die zur Verfügung stehende Zeit eigentlich immer viel zu kurz ist. Erreicht werden derzeit etwa 84% der Großstadtkinder. Probleme gibt es immer. Da sind die z.T. sehr langen Anfahrtswege oft mit mehrmaligem Umsteigen, die großen Klassen, überforderte Lehrer und die schwierige Verständigung bei Kindern mit Migrationshintergrund. Verhaltensauffällige Kinder werden immer mehr, Störungen in der Wahrnehmungsfähigkeit, Beweglichkeit bis hin zu motorischen Störungen erschweren die Naturerfahrung. Auch die Engpässe bei der Personal- und Gebäudeausstattung und die Abhängigkeit von den Zuwendungen aus dem Landeshaushalt erschweren die Aufgabe der Waldpädagogen.

Leider fragen gerade die Schulen, wo es die Kinder am nötigsten hätten, am wenigsten nach. Dabei kostet der Besuch pro Kind nur 2,00 €, bei Sonderveranstaltungen 2,50 €. Wünschenswert wäre eine politisch motivierte Förderung für die Schulen, die sich selbst diese Preise nicht leisten können. In den ärmeren Vierteln der Stadt (hohe Arbeitslosigkeit, niedriges Bildungsniveau) leben 24,7 % aller Berliner Kinder. Über 40 % aller Kinder mit Migrationshintergrund leben in fünf Gebieten mit stadtentwicklungspolitischem Investitionsbedarf. Dabei zeigte ein Versuch mit Kindern einer Kreuzberger Schule, dass Waldpädagogik durchaus positive Effekte haben kann. Mit den Kindern wurden aus Drittmitteln das Transfer21-Projekts finanzierte Wochenprogramme durchgeführt, bei der es gelang, dass die Kindern eine Bindung an den von ihnen bearbeiteten Wald entwickelten. Bei kürzeren Programmen ist im besten Fall eine emotionale Grundbrücke.

Wirkliche Wissensvermittlung und ein Grundverständnis für Natur sind nur mit langfristigem Engagement zu erreichen.

Das Waldpädagogik Zertifikat

Im Jahr 2007 wurde unter Federführung Hessens ein Arbeitskreis der Bundesländer einberufen. Dabei wurde verabredet, dass die Bundesländer Lehrgänge zur Zertifizierung von Waldpädagogen einführen, um einen Mindeststandard zu erreichen. Die verschiedenen Zertifikate sind dann bundesweit gültig. Die Ausbildung richtet sich in erster Linie an Förster und Pädagogen, die sich dann im jeweils berufsfremden Schwerpunkt (Pädagogik oder Forst) schulen lassen müssen.

Bis zum Abschluss dauert es idR. drei Jahre mit 18-23 Unterichtstagen, sowie einem zusätzlichen Praktikum von mindestens 40 Stunden. Dabei stellt sich die Frage, welcher Arbeitgeber seine Mitarbeiter so lange freistellen kann? Eine Evaluation der Lehrgänge ist in 3 Jahren geplant, wobei geprüft werden soll, ob diese Lehrgänge dann auch für interessierte Laien geöffnet werden sollen/können.

Bisher gibt es sieben Bundesländer, die solche Kurse anbieten, allerdings passte für den Ballungsraum Berlin keines der Konzepte wirklich gut. So entschloss sich die Stadt einen einmaligen Kurs durchzuführen, um das Personal der eigenen Waldschulen zu zertifizieren.

Exkursion auf eine Referenzfläche des FSC-zertifizierten Waldes

Besonders deutlich wurde die Waldnutzungsproblematik beim Begehen der Referenzfläche (ca. 20 ha). Überall fanden sich Zeichen intensivster Nutzung durch Erholungssuchende. So gab es ein Waldsofa (problematisch positioniert unter einer langsam sterbenden Eiche), einen Aussichtspunkt am Ort der ehemaligen Gaststätte "Müggelbaude" oberhalb des Müggelsees und eine ehemalige Rodelbahn, die zu einer Rennstrecke für BMX-Fahrer umgebaut worden war.

Überblick über die Waldpädagogik von Klaus Radestock

In Brandenburg entstanden ab den 20-er Jahren Wald- und Forstmuseen, Lehrpfade, Försterwanderungen und Jugendwaldeinsätze, doch erst 1952 erschien das erste Buch, das sich mit Waldpädagogik beschäftigte (Tiere, Wälder, junge Menschen von J. Sieber). In den Siebzigern kamen Lehrkabinette, forstliche Schüler-AGs und Waldprojekttage hinzu. In den Neuzigern wurden mehr und mehr Projekte wissenschaftlich begleitet, es gab erste Thesenpapiere, und als erstes Bundesland führte Brandenburg eine Dienstanweisung Waldpädagogik ein. Im Jahr 2004 wurde der Wald als Bildungsraum im neuen Landeswaldgesetz festgeschrieben. Klaus Radestock betonte, dass das einerseits weniger sei als in der Dienstanweisung, weil Waldpädagogik nicht mehr ausdrücklich Aufgabe der Förster sein, andererseits aber auch mehr, weil nun der gesamte Wald als Bildungseinrichtung festgeschrieben ist. In Brandenburg gibt es derzeit siebzehn Schulwälder.

Eine Aussage über die Waldpädagogik für ganz Deutschland zu treffen ist schwer, da sie in den Ländern unterschiedlich gehandhabt wird. Es gibt keinen allgemeingültigen, gemeinsamen waldpädagogischen Standpunkt aller Bundesländer, aber es gibt Leute, die sich um eine gemeinsame Position bemühen (z.B. Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, Uni Freiburg, BLK Öffentlichkeitsarbeit/Waldpädagogik, FCK und der Bundesarbeitskreis "Forstl. Umweltbildung" des BdF).

Klaus Radestock betonte, dass Förster per se bereits ein Zertifikat dafür besitzen, dass sie sich mit Wald auskennen, ihre Berufsausbildung. Der Beruf des Försters ist noch immer einer der angesehensten Berufe in Deutschland, beliebter als Politiker, Steuerberater und Manager. Er meint mit "Wald im Herzen und Feuer im Hintern" (OT. Radestock; d.h. Sendungsbewusstsein) können wir unsere Vision vom Miteinander von Natur und Mensch am besten verbreiten.

Der Landesforstbetrieb Brandenburg

Im Landesforstbetrieb Brandenburg werden forstwirtschaftliche Aufgaben derzeit neu strukturiert. Dabei wird eine Trennung der Forstwirtschaft im Landeswald (in 14 Forstämtern) von hoheitlichen Aufgaben und Aufgaben zum Gemeinwohl (in 30 Forstämtern) angestrebt. Dazu gibt es sieben Zentren, in denen überregionale Aufgaben wahrgenommen werden, sowie ein Koordinationszentrum in Potsdam. Dabei überschneiden sich zwar die Flächen der Forstämter, nicht aber die Zuständigkeiten, was die Beteiligten überwiegend als Chance sehen. Es ist die Aufgabe der Zukunft dafür zu sorgen, dass der Übergang in die neuen Strukturen möglichst wenige Probleme aufwirft.

Der Absatz des anfallenden Holzes ist trotz der oft ungünstigen Sortimente eher unproblematisch, da der Bedarf der örtlichen Holverarbeitenden Industrie (Pelletwerke, Biomassekraftwerke, Sägewerke) bei ca. 6 Mio m³ liegt. Die in den großflächig vorhandenen Kiefernbeständen oft auftretenden Waldbrände sind seit der Überwachung mit 113 auf Waldbrandtürme und Sendemasten montierten Kameras gut zu kontrollieren. Jede Kamera dreht sich in acht Minuten einmal um sich selbst. Eine erste Analyse führen Computer durch, der die Verdachtsfälle an die Mitarbeiter des Analysezentrums weiterleiten.

Projekt wa'gen

Astrid Kühnel stellte das neue Buch "Abschied vom grünen Rock" vor und hängte zwei Poster zum Thema Frauen im Wald auf.

Samstag

Revier Massow im Privatwald Hatzfeld-Wildenburg

Vor der Wende gehörte das Gebiet zu einem militärischen Sicherheitsbereich zur Ausbildung von Elitegruppen. Es wurde 2001 von Graf Hatzfeld-Wildeburg gekauft. Das FSC-zertifizierte Revier Massow unter Leitung Herrn Illers besteht fast ausschließlich aus Kiefer auf Sand mit einer ungünstigen Altersstruktur. Die erste und größte Investition erfolgte zur Erstellung eines sinnvollen Wegenetzes. Aus Kostengründen werden alle Arbeiten, die im Revier anfallen, mit regionalen Unternehmern durchgeführt, die aber kontinuierlich eingesetzt werden. Der Absatz des Holzes ist kein Problem, da am Rande des Reviers das Holzkompetenzzentrums Baruth mit einer Sägekapazität von über 1,2 Mio. fm liegt. Der waldbauliche Schwerpunkt der nächsten Jahre besteht in der Pflege und Qualitätssicherung, sowie dem Umbau der Monokulturen in standortangepasste Birke-Kiefer- oder Birke-Eiche-Mischwälder, wobei auch die Douglasie eine Rolle spielen wird.

Der Jagdbetrieb dient der Erreichung der waldbaulichen Ziele, d.h. es wird ziemlich stark bejagt. Dadurch verbesserten sich nicht nur die Bedingungen für die Verjüngungen, sondern auch der Gesundheitszustand des Wildes (Reh-, Rot und Damwild). Besonderes Augenmerk liegt auf der Bekämpfung von Waldbränden und Kalamitäten durch Kiefernschädlinge wie Nonne und Spinner.

Forstwirtschaft in der Tschechischen Republik

Die Tschechische Republik hat einen Waldanteil von 34 %, das entspricht einer Waldfläche von 2,6 Mio. ha, die zum größten Teil staatlich sind. Der Rest sind kommunale und private Wälder. Genossenschaftswälder spielen derzeit kleine Rolle, da die Kleinprivatwaldbesitzer der Bildung von Genossenschaften durch ihre Erfahrungen mit den kommunistischen LPGs skeptisch gegenüberstehen. Nur ein kleiner Teil, ca. 6 % des Waldes, muss noch an die ursprünglichen Besitzer zurückgegeben werden. Für die Bildung der Förster gibt es eine spezielle Forstzeitschrift und eine Webpäsenz (www.mezistromy.cz). Zur Bildung interessierter Laien ist eine Webseite im Aufbau (www.lesnipedagogica.cz), auf der Bilder, Multimedia und andere Informationen z.T. auch in Englisch zur Verfügung gestellt werden.

Ein Vergleich von FSC und PEFC von Herrn Riestenpatt, Berliner Forsten

Der Referent warnte vor Beginn seiner Ausführungen, dass er parteiisch sei. Durch die emotionale Belastung beider Zertifizierungssysteme sei eine neutrale Darstellung schwer. Zuerst stellte er einige Thesen in den Raum, ohne sie einem System zuzuordnen:

  • Wald ist ein öffentliches Gut und dient vielen Interessen
  • Deutsche Förster sind Erfinder der Nachhaltigkeit
  • Waldbewirtschaftung braucht eine gesellschaftliche Basis
  • Wirtschaftliche Interessen
  • Zertifizierung ist eine Einmischung des Naturschutzes in die Waldbewirtschaftung
  • Waldbewirtschaftung orientiert sich an den Interessen des Waldbesitzers

Eine wichtige Frage bei Zertifikaten ist die Glaubwürdigkeit. Es gibt viele Zertifikate, die der Kunde nicht durchschaut, und daher nicht wirklich beurteilen kann.

FSC (Forest Stewardship Counsel)PEFC (Pan-Eurpaean Forestry Certification)
Entstehung1993 in Toronto nach Umweltgipfel in Rio, 25 Länder und viele Organisationen nehmen teilForstminister und Waldbesitzer als Reaktion auf FSC
Entwicklung der Systemenationale Arbeitsgruppen entwickeln Kriterien mit nationalen Indikatoren auf Grundlage der festegelegten FSC-PrinzipienPan-Europäische Kriterien und Indizes dienen der Entscheidung ob vorhandene Zertifizierungssysteme anaerkannt werden (endorse)
Beteiligte3 Kammer System, Umwelt, Wirtschaft und Soziale Interessen haben gleiche Gewichtung13 Vertreter aus Waldbesitz, Forstindustrie, SFI (=PEFC USA), 2 Gewerkschaftsvertreter und 1 Vertreter von Umweltverbänden
Erteilung des ZertifikatsVor-Ort-Prüfung mit jährlichen Audits für jeden zertifizierten Betriebnach Prüfung überbetrieblicher Kriterien für eine Region, jährliche Audits bei ausgewählten Betrieben
Voraussetzungen für ZertifiziererISO-basiertes Regelwerk mit Prüfung der Zertifizierer, mit regelmäßiger NachprüfungZertifizierer ländergebunden nach internationalen Normen für Produktzertifizierung (ISO) bei einer nationalen Akkreditierungsstelle
Auswirkungen des ZertifikatsWaldbesitzer verpflichten sich, Waldstandards einzuhaltenAussagen für Einzelbetriebe schwer möglich, da Regionen zertifiziert werden

In Deutschland sind viele Betriebe nach beiden Systemen zertifiziert. Zusätzlich zum FSC-Zertifikat gibt es noch das Naturland-Zertifikat, das zusätzlich die Ausweisung von 10 % Referenzflächen, einen Mindestabstand der Rückegassen von 40 m und eine Beschränkung des Anbaus von fremdländischen Baumarten erfordert)

Führung durch den Bundestag mit Frau Sonne

Es ist nicht gerade einfach, zum Reichstagsgebäude zu gelangen, wenn vor dessen Toren eine Anti-Atomkraft-Demonstration stattfindet. Sämtliche Brücken waren abgesperrt und erst nach zähen Verhandlungen mit der Polizei gelang es uns das Ziel zu erreichen. Der Reichstag wurde 1895 gebaut und, unter Erhaltung der alten Bausubstanz, vom englischen Architekten Norman Foster umgebaut. Vor dem Gebäude steht eine Fahne, die als Symbol der Wiedervereinigung angesehen wird. Sie wird nie auf 1/2 Mast gesetzt.

Der Plenarsaal liegt direkt unter der weithin sichtbaren Glaskuppel, die Besucher zum Abschluss einer Führung selbständig durchwandern dürfen. Zunächst aber werden alle Besucher gründlich geprüft und alle mitgebrachten Dinge durchleuchtet. Der Reichsadler im Plenarsaal wird "Fette Henne" genannt, auf der Wand im Flur auf seiner Rückseite findet sich eine schlankere Version. Abstimmungen erfolgen entweder per Handzeichen, mit Chipkarte oder mit Hilfe des Hammelsprungs, wozu die Abgeordneten den Saal verlassen und durch drei Türen (Ja, Nein, Enthaltung) wieder hereinkommen, an denen sie von je einem Regierungs- und einem Oppositionsvertreter gezählt werden. Der Name "Hammelsprung" bezieht sich auf die Legende von Odysseus und dem Zyklopen, der seine Schafherde abtastet, um Odysseus Flucht zu verhindern, nachdem dieser ihn geblendet hatte.

Rund um den Plenarsaal gibt es Aufenthaltsräume für die Abgeordneten, einen überkonfessionellen Andachtsraum und Besprechungszimmer. Die Mauer verlief früher direkt durch den Innenhof, in dem sich auch ein Pflanztrog mit Erde aus allen bundesdeutschen Wahlkreisen findet. Überall im Haus verstreut finden sich Kunstwerke, wie z.B. die 4500 rostigen Metallkästen mit den Namen aller Abgeordneten im Keller des Gebäudes.