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Niedersächsisches Forstfrauentreffen 2002

Am 4. Mai trafen sich 13 Forstfrauen im Kloster Loccum. Das Zisterzienserkloster wurde im 12. Jh. in der dünnbesiedelten, wald- und wasserreichen Gegend zwischen dem Steinhuder Meer und der Weser begründet. Die Blütezeit des Klosters war um 1300. Ende des 16. Jh. wurde das Kloster evangelisch und ist heute Ausbildungsstätte für Vikare. Außerdem gehört die evangelische Akademie, das Pastoralkolleg und das Religionspädagogische Institut zum Kloster. Mönche gibt es in dem Kloster nicht mehr.

Zum Kloster gehören auch 1000 ha landwirtschaftliche Nutzfläche und 700 ha Wald. Das Kloster wirtschaftet unabhängig von der Landeskirche als selbständiger Betrieb. Leiter dieses Betriebes ist Förster Carsten Sierk, der uns durch das Kloster und den Wald führte. Neben der Bewirtschaftung des Waldes ist er auch für die Gebäudeerhaltung und die Friedhofsverwaltung zuständig. Zusätzlich ist er Ansprechpartner für den Pächter des Gutes. Unterstützt wird Carsten Sierks von zwei Forstarbeitern und zwei weiteren Arbeiter im Klosterbereich.

Der Wald des Klosters ist in drei Teilbereiche untergliedert. Während die abseits des Klosters gelegenen Teile von Nadelwald dominiert werden, wächst in den direkt an das Kloster angrenzenden 400 ha überwiegend Laubholz. Geprägt wird das Waldbild aber durch ca. 8 ha Wasserflächen und durch Nasswiesen, die sich quer durch den Wald ziehen. Dementsprechend handelt es sich z. T. um Eichenzwangstandorte. Sobald es auf dem schweren Boden etwas trockener ist, setzt sich aber die Buche durch, die sich wegen ändernden Bodenwasserverhältnissen immer mehr ausbreitet. Entlang der Fulde, die nah am Kloster vorbeifließt, wurden einige Nasswiesen mit Erlen aufgeforstet. Es gibt aber auch Flächen, die mit 40jähriger Fichte bestockt sind.

Im Klosterwald wurde früher, wie überall in Deutschland, häufig Raubbau betrieben. 1700 wurde daher die erste Forstordnung erlassen, um diesem Vorgehen Einhalt zu gebieten. Gleichzeitig wurde die Gliederung in Abteilungen vorgenommen. Das erste Betriebswerk wurde 1800 verfasst - damals bestand der Wald aus 100 % Laubholz. Seitdem wurden Fichten und in den trockeneren Gebieten Kiefern angepflanzt. 1910 entschloß man sich zur Einführung der naturnahen Waldbewirtschaftung mit Einzelstammnutzung. Dieser lobenswerte Ansatz wurde 1930 durch die preußische Forstordnung gekippt. Noch 1950 setzte man voll auf die Fichte, Buche und Eiche sollte nur aus ästhetischen Gründen erhalten bleiben und auf 5 % beschränkt werden. 1976 stellte man wieder auf den naturnahe Waldbau um.

Heute handelt es sich beim Klosterwald um einen aufbauenden Betrieb. Der Sturm von 1972 hat große Schäden angerichtet, die damals angelegten Eichenkulturen zeigen heute ein unbefriedigendes Bild. Ziel ist ein Laub-Nadelholzverhältnis von 50:50. Dabei soll die Buche forciert werden, aber auch die Eiche soll weiter Berücksichtigung finden. In ärmeren Teilen soll auch Douglasie eingebracht werden. Wo sie standortgerecht ist, soll auch die Fichte weiterhin ihren Platz haben. Eingeschlagen werden im Jahr 3.000 fm (bei ca. 370 Vfm/ha) überwiegend durch Unternehmer. Die eigenen Waldarbeiter werden nur im starken Laubholz eingesetzt.

Bemerkenswert ist die Pflege der Nasswiesen. Da regelmäßiges Mähen wegen der Bodennässe unmöglich ist, wird diese Pflege durch eine Mutterkuhherde gewährleistet. Ziel ist es, die Nasswiesen und damit den Charakter des Waldes zu erhalten. Früher bestand die Herde aus Galloway-Rindern, aufgrund des BSE-Skandals und der hohen Fettanteile im Fleisch der Rinder wurde auf Limousin-Kreuzungen umgestellt. Diese lassen sich besser vermarkten. Die Haltung der 30 Rinder ermöglicht es, die Kosten für die Erhaltung der Wiesen auf Null zu senken (Zuschüsse eingerechnet).

Die früher durch die Zisterzienser intensiv betriebene Teichwirtschaft wurde extensiviert. Da es sich bei den Teichen aber um hochwertige Biotope handelt, sollen sie erhalten bleiben. Aus Tradition werden auch weiterhin Karpfen gehalten und im Winter verkauft.

Zum Kloster gehören auch fünf Eigenjagden, die zum überwiegenden Teil selbst bewirtschaftet werden, sowie einige Steinbrüche und weitere Rechte, die als Einnahmequelle unverzichtbar sind (Übrigens gehört das Braurecht nicht mehr zu den Rechten des Kloster Loccums. Dieses Recht musste abgegeben werden, nachdem der Abt eine Frau aus dem Ort geschwängert hatte).

Wie schon erwähnt, gehören auch die Gebäudeerhaltung und die Friedhofsverwaltung zu den Aufgaben des Försters im Kloster Loccum. Allein für die Instandhaltung der ca. 2 km langen Mauer, die sich um das ca. 15 ha große Klostergelände zieht, wurden 2001 etwa 500.000 DM ausgegeben. Für die Erhaltung der Gebäude erhält das Kloster Loccum allerdings einen Zuschuss von der Landeskirche, die das Kloster für repräsentative Zwecke nutzt.

Neben der Bewirtschaftung des Klosters gehört auch die Repräsentation des Klosters nach außen zu den Aufgaben des Försters - "als einziger Grüner unter lauter Schwarzen".

Zum Schluss möchte ich mich bei Abt, Prior und Konvent bedanken, dass wir bei ihnen zu Gast sein durften. Ein besonder Dank geht an Carsten Sierk für die interessante Führung durch Kloster und Wald und an seine Frau für den leckeren Kuchen. Nicht zuletzt danke ich den Organisatorinnen des Treffens: Ulrike Stipp und Inge Kehr.

Bis zum nächsten Jahr.

Anke Waldmann